Eveline Gongang berichtete am Berufskolleg Kuniberg aus Douala

, Kreisdekanat Recklinghausen

Rund 100 Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs Kuniberg in Recklinghausen erhielten spannende Einblicke in das Leben in Kamerun und in die Bedeutung beruflicher Bildung. Zu Gast war Eveline Gongang, die von der stellvertretenden Schulleiterin Anja Kobus begrüßt wurde. Die 42-jährige Kamerunerin arbeitet seit 2009 als Finanzsekretärin im Projekt CODAS Caritas Douala, das vom katholischen Hilfswerk Misereor gefördert wird. Die diesjährige Misereor-Fastenaktion steht unter dem Leitwort „Hier fängt Zukunft an“ und rückt das Projekt in den Mittelpunkt, das jungen Menschen durch berufliche Ausbildung Perspektiven eröffnet.

Die Frauen stehen nebeneinander

Anja Kobus, stellvertretende Schulleiterin des Kuniberg Berufskollegs, begrüßte Misereorgast Eveline Gongang aus Kamerun mit Dolmetscherin Sabine Hoster (von links).

© Bistum Münster

Auch Eveline Gongang hat über CODAS Caritas Douala ihre Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement absolvieren können. „Dafür bin ich sehr dankbar. Meine Eltern hätten keine Ausbildung bezahlen können, nachdem mein Vater seine Arbeit verloren hatte. In Kamerun bekommen Auszubildende kein Gehalt, sondern sie müssen für die Ausbildung zahlen“, erklärte sie. Gleiches gelte für den regulären Schulbesuch, der hohe Kosten verursache. Umso wichtiger sei die Unterstützung durch Misereor, die vielen Jugendlichen erst ermögliche, einen Beruf zu erlernen. „Mit einer Ausbildung verdienen sie Geld, können ihre Familien unterstützen und gewinnen Selbstvertrauen“, sagte die vierfache Mutter. Bildung verbinde Menschen, fördere die soziale Integration und helfe, Talente zu entdecken und zu entwickeln.

Gongang stammt aus Douala, der größten Stadt Kameruns und wirtschaftlichem Zentrum des Landes. Viele Menschen aus ärmeren Regionen strömen dorthin, das Durchschnittsalter der Bevölkerung liegt bei nur 18 Jahren. „Es ist wichtig, dass wir uns um diese jungen Menschen kümmern. Die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch. Etwa 80 Prozent schlagen sich im informellen Sektor durch, viele als selbstständige Motorradtaxifahrer, weil sich die Familien eine Ausbildung nicht leisten können“, berichtete sie. Für Jugendliche, die im Projekt einen Platz erhalten, übernimmt Misereor 80 Prozent der Kosten, die übrigen Anteile tragen die Eltern. „Das verringert die Abbrecherquote deutlich“, erklärte sie den Schülerinnen und Schülern. Das Projekt steht jungen Menschen, Geflüchteten und Menschen mit Einschränkungen offen. Bewerben können sich Männer zwischen 17 und 35 Jahren sowie Frauen bis 40 Jahre.

In praxisnahen Workshops gewinnen die Teilnehmenden einen ersten Eindruck von verschiedenen Berufsfeldern. „Unser Ziel ist es, ihnen nach der Ausbildung auch den Schritt in die Selbstständigkeit mit einem Startkapital zu erleichtern“, sagte Gongang. Viele Absolventinnen und Absolventen blieben verbunden und würden später selbst Fachkräfte beauftragen, die ebenfalls im Projekt ausgebildet wurden.

Mit ihrer eigenen Geschichte möchte Eveline Gongang junge Menschen ermutigen, Chancen zu nutzen. Ihre Botschaft ist klar: Zukunft beginnt dort, wo man sie ergreift. „Es geht um Durchhaltevermögen und darum, an die eigene Vision zu glauben und sie zu verfolgen, um Träume zu verwirklichen“, sagte sie.

Zum Schluss richtete sie sich direkt an die Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs für Wirtschaft und Verwaltung: „All das können wir nur leisten dank der Solidarität und Nächstenliebe anderer Menschen. Ich erzähle Ihnen davon, um zu zeigen, wo Ihre Spenden ankommen und wie sie jungen Menschen helfen.“ Vermittelt hatte den Besuch das Recklinghäuser Netzwerk der Eine-Welt-Läden in Kooperation mit dem Kuniberg-Weltladen.

Michaela Kiepe