Fachtagung zu Umweltpositionen der Religionsgemeinschaften in Münster
Eine gemeinsame Erklärung aller religiösen Gemeinschaften wird es bei der Klimakonferenz der Vereinten Nationen im Dezember in Paris geben.
Das hat Sabine Minninger vom evangelischen Hilfswerk ‚Brot für die Welt‘ am 19. September in Münster angekündigt. Minninger sprach auf der Tagung ‚Hoffen auf Paris?‘, zu der das Bistum Münster und die Evangelische Kirche von Westfalen eingeladen hatten.
Gibt es mit Blick auf die Klima-Konferenz in Paris Hoffnung für das Weltklima? Welche Rolle können Religionsgemeinschaften dabei spielen? Welche Ideen haben die Kirchen für die künftige Entwicklung der Welt? Solche Fragen wurden auf der der zweitägigen Tagung im münsterschen Liudger-Haus diskutiert. Insgesamt etwa 40 Personen aus Umweltgruppen, Gemeinden und dem Projektkurs Physik/Religion des Evangelischen Gymnasiums Siegen-Weidenau nahmen daran teil. Bei einer Podiumsdiskussion brachten evangelische, katholische und muslimische Vertreter ihre Positionen auf den Punkt.
"Die Schöpfung ist für alle da", dabei spiele Religion oder Konfession keine Rolle, erklärte Dr. Markus Büker vom katholischen Hilfwerk ‚Misereor‘. Klimagerechtigkeit sei nicht nur christliches Anliegen: im August hätten sich auch 60 muslimische Wissenschaftler öffentlich für einen Ausstieg aus der CO2-intensiven Energiegewinnung stark gemacht.
"Der Klimawandel ist menschengemacht. Die katholische Kirche sieht hier eine moralische Verantwortung", stellte Büker klar. "Es gibt globale Gemeinschaftsgüter, die allen gehören. Wenige können nicht damit machen, was sie wollen", zitierte er aus der neuen Papst-Enzyklika ‚Laudato si‘. Das Lehrschreiben verlange, im ökologischen Ansatz den sozialen mitzudenken, Armut und Ungerechtigkeit in die Umweltdiskussion mit aufzunehmen und ein neues Modell von Fortschritt zu finden.
"Die religiösen Gemeinschaften haben bei den Weltklimaverhandlungen Einfluss", ist Minninger sicher, "die Kirchen werden in Fragen der Umwelt als moralische Instanz wahrgenommen". Die evangelische Expertin war bei vielen Verhandlungen dabei und von 2003 bis 2012 als Beraterin in Entwicklungsländern in Südostasien und Südpazifik tätig. Die Kirchen seien stark vernetzt und brächten ihre Positionen gemeinsam vor.
Einen künftig umweltbewussteren Lebensstil zu definieren, bezeichnete die Muslima Kübra Tan von ‚HIMA – Umwelt und Naturschutz aus islamischer Initiative‘ mit Sitz in Essen als schwierig. Tan bezeichnete es als heikel, ein Maß an Umweltbewusstsein für den Einzelnen zu bestimmen und vorzuschreiben.
Das sah Misereor-Referent Büker anders. Er verwies auf ‚Klimasparbücher‘ mit eindeutigen Ratschlägen für Verbraucher. Dabei gehe es vor allem um Verzicht: "Wenn wir so weiterleben, ändert sich nichts". Minninger warb für eine Präzisierung: "Wir Kirchen schüren Ängste, wenn wir einseitig über Verzicht reden. Im Verzicht sollte man den Mehrwert erkennen, die schmackhafte Seite, das, was uns durch unsere aktuelle Lebensweise alles verloren geht."
Eine Diskussionsteilnehmerin bemängelte, im Alltag in der Gemeinde nur wenig Impulse und Unterstützung mit Blick auf Umweltthemen zu erfahren. Winninger bestätigte, dass es hier noch Nachholbedarf gebe. Ökologische Ansätze müssten nach oben wie nach unten noch durchgesetzt werden.
Text: Bischöfliche Pressestelle
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