Familien: Gemeinsames und Unterschiede von Christen und Muslime

Die Werte, die Muslime türkischer Herkunft ihren Kindern vermitteln, sind denen deutscher Familien in zentralen Punkten ähnlich: "Was das Familienbild oder die Freundschaft angeht, sind Muslime und Christen nah beieinander."

Das hat Haci-Halil Uslucan, Professor für moderne Türkeistudien an der Universität Duisburg-Essen, am 17. Oktober 2013 im Franz-Hitze-Haus in Münster betont. "Deshalb ist es überzogen zu sagen, Migranten lebten in Deutschland in einer Parallelwelt." Ethnische Diskriminierung sei aber nach wie vor an der Tagesordnung, kritisierte der Wissenschaftler.

Uslucan war eingeladen worden, zum Thema "Muslimische Familien in Deutschland. Kindererziehung und Familienwerte" vor Mitarbeitern aus Schulen, Kindertagesstätten, der Gemeindearbeit, der Familienberatung oder der Wissenschaft zu referieren. Schließlich leben 2,8 Millionen Menschen türkischer Herkunft in Deutschland.

"Als katholische Kirche dürfen wir nicht vergessen, dass Muslime ein Teil unserer Gesellschaft sind", sagte Regina Laudage-Kleeberg von der Fachstelle Christen und Muslime des Bischöflichen Generalvikariates in Münster, Kooperationspartner der Veranstaltung. "Wir wollen den Dialog mit ihnen stärken und auch Fortbildungen in diesem Bereich anbieten."

Während in deutschen Familien Mädchen und Jungen vor allem eigenständig werden und gut in der Schule sein sollten, sind nach Darstellung von Uslucan bei der Erziehung türkischer Migrantenkinder Selbstständigkeit, Gehorsam und religiöse Pflichterfüllung wichtig. "Das Erziehungsziel in islamischen Familien ist, dass sie wertvoll für die Gemeinschaft sind", sagte der Wissenschaftliche Leiter des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung. Wobei der Gehorsam im islamischen Erziehungsverständnis durchgehend positiv besetzt und die Religion für viele Migranten ein selbstverständlicher Teil ihres Lebens sei. "Nur für zehn Prozent ist sie ein starkes Abgrenzungskriterium."

Bei muslimischen Familien gibt es nach Meinung des Fachmanns Ressourcen, die noch zu wenig gesehen werden: das liebevolle Sicher-Kümmern um den Nachwuch trotz manchmal großer Armut, die familiären Netzwerke bei Problemen, der niedrige Alkohol- und Tabakkonsum bei Jugendlichen. Gleichzeitig warnte er vor "Stolpersteinen" im Umgang mit Migranten, zum Beispiel mit Eltern eines Schulkindes: Man sollte nicht konfrontativ oder mit Schuldzuweisungen arbeiten, das sei kontraproduktiv. "Dem Kind sollte man richtig zuhören und nicht alles sofort deuten", schlug er vor. Für die Vorschule wünschte er sich eine bessere sprachliche Förderung und keine frühe Selektion.

Text: Bischöfliche Pessestelle
Kontakt: pressestelle[at]bistum-muenster.de