Festakt im Zeichen der Kunstpflege

, Stadtdekanat Münster

Mit einem Gottesdienst in der Marienkapelle des St.-Paulus-Doms und einer anschließenden Feierstunde im LWL-Museum für Kunst und Kultur wurde am 30. Januar in Münster ein außergewöhnlicher Geburtstag begangen: Prof. Dr. Johann Michael Fritz feierte sein 90. Lebensjahr – umgeben von Weggefährten, Schülerinnen und Schülern, Kolleginnen und Kollegen aus Kirche, Wissenschaft und Denkmalpflege. Der Tag stand ganz im Zeichen der Kunst, ihrer Bewahrung und eines Lebenswerks, das bis heute weit über Münster hinaus wirkt.
 

Würdigten den Jubilar Prof. Dr. Johann Michael Fritz (2. von rechts) an seinem 90. Geburtstag: (von links) Prof. Dr. Norbert Köster (Katholisch-theologische Fakultät), Andrea Gabriele Fritz und Prof. Dr. Arnulf von Scheliha (Evangelisch-theologische Fakultät).

© Bistum Münster

Prof. Dr. Johann Michael Fritz freute sich über die Festschrift, die aus Anlass seines 90. Geburtstages im Universitätsverlag Heidelberg erscheinen wird.

© Bistum Münster

Im Mittelpunkt der Feierstunde stand auch das Engagement der von Prof. Fritz gemeinsam mit seiner Schwester Andrea Gabriele Fritz gegründeten Geschwister-Fritz-Stiftung. Die Stiftung setzt sich seit 2009 für den Erhalt sakraler Kunst im Bistum Münster ein und stellt Fördermittel für restaurierungsbedürftige Gemälde, Skulpturen und liturgische Ausstattungsstücke bereit. 

Dr. Thomas Fusenig, Leiter des Sachgebiets Kunstpflege im Bistum Münster, stellte in seiner Laudatio die Dankbarkeit in den Mittelpunkt. Persönlich habe Fritz ihn zu Beginn seiner Tätigkeit mit Rat, Literatur und intensiven Gesprächen unterstützt. Zugleich würdigte Fusenig Fritz’ maßgeblichen Einfluss auf die kirchliche Kunstdenkmalpflege in Deutschland: Die Handreichung der Deutschen Bischofskonferenz zur Kunstpflege sei ohne dessen Vorarbeiten kaum denkbar gewesen. Von besonderer Bedeutung für das Bistum Münster sei die Geschwister-Fritz-Stiftung selbst. „Ohne die immens wichtigen Anstoßfinanzierungen der Stiftung hätten viele Maßnahmen nicht realisiert werden können“, sagte Fusenig. In jüngerer Zeit habe die Stiftung sogar vollständige Restaurierungen ermöglicht.

Ein ökumenisches Grußwort sprach Prof. Dr. Arnulf von Scheliha, Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster. Er würdigte Fritz’ wegweisende Forschungen zur evangelischen Kirchenkunst, insbesondere zum Abendmahlsgerät vom Mittelalter bis zum Ende des Alten Reiches. Fritz’ Arbeiten seien von großer Bedeutung für die evangelische Theologie sowie die Kirchengeschichte und Ausdruck einer fruchtbaren interdisziplinären Zusammenarbeit.

Dr. Esther Wipfler vom Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München stellte anschließend eine Festschrift vor, die sie gemeinsam mit Dr. Helga Kaiser-Minn herausgegeben hat. Der Band, der im Universitätsverlag Heidelberg erscheinen und auch online frei zugänglich sein wird, umfasst Beiträge aus dem breiten Forschungsspektrum des Jubilars – von der Gold- und Silberschmiedekunst über Denkmalpflege bis hin zur christlichen Ikonografie.
Prof. Dr. Michael Johann Fritz selbst sprach in einem Vortrag über „Wege zu einer praxisbezogenen Kunstgeschichte“. Darin reflektierte er seinen wissenschaftlichen Werdegang und unterstrich die Bedeutung des genauen Hinschauens sowie der engen Verbindung von kunsthistorischer Forschung, Restaurierungspraxis und interdisziplinärer Zusammenarbeit. 

Ann-Christin Ladermann