„Fürchtet euch nicht“ – Zuversicht ist die gestaltende Kraft

, Bistum Münster

Politik und Gesellschaft brauchen keine Angst als Antrieb, sondern Zuversicht als bewusste Entscheidung. In der aktuellen Ausgabe des Podcasts Friedensreiter, einem Gemeinschaftsprojekt des Instituts für Theologie und Frieden (ithf) in Hamburg und des Ludwig-Windthorst-Hauses (LWH) in Lingen (Ems), machen die beiden Gastgeber Dr. Jochen Reidegeld und Marcel Speker deutlich: „Fürchtet euch nicht“ ist weder Beschwichtigung noch religiöse Folklore, sondern ein für Gesellschaft, Politik und Medien handlungsleitender Satz: Wer sich nicht von Furcht bestimmen lässt, bleibt fähig zu gestalten – nach innen wie nach außen.

Von diesem Gedanken aus ordnen Speker und Reidegeld die internationale Lage ein. Die Welt, so ihre Diagnose, befindet sich in einer Phase der Verhärtung, in der Machtpolitik, Abschreckung und das Recht des Stärkeren wieder dominieren. Gerade deshalb, argumentieren sie, braucht es Akteure, die an Alternativen festhalten: an Völkerrecht, an internationale Institutionen, an Dialogformaten, auch wenn deren Wirkung im Moment begrenzt scheinen. Reidegeld spricht von „Friedensarbeit auf Vorrat“ – der Einsicht, dass Regeln, Beziehungen und Vertrauen vorbereitet werden müssen, damit sie tragen, wenn sich politische Fenster öffnen.

Diese Logik übertragen die Gesprächspartner konsequent auf die Gesellschaft im Inneren. Auch hier, so Speker, droht Angst zur leitenden Kategorie zu werden: Angst vor dem Anderen, vor Kontrollverlust, vor dem gesellschaftlichen Abstieg. Wo sie dominiert, verengt sich der Diskurs, Menschen werden etikettiert statt gehört, Widerspruch moralisch aufgeladen statt sachlich ausgetragen. „Fürchtet euch nicht“ bedeutet in diesem Zusammenhang, Differenz wieder als Normalfall demokratischen Zusammenlebens zu akzeptieren – und Streit als Voraussetzung von Verständigung.

Der zentrale Satz der Folge bündelt beides, das Internationale wie das Gesellschaftliche: Zuversicht ist kein Gefühl, Zuversicht ist eine Entscheidung. Sie entsteht nicht aus Naivität, sondern aus der bewussten Weigerung, Angst zum politischen Maßstab zu machen. Wer Zuversicht wählt, bleibt offen für Bündnisse, hält Regeln aufrecht, sucht Gespräch statt Eskalation – und nimmt zugleich die eigene Verantwortung ernst.

So wird „Fürchtet euch nicht“ zu einer positiven politischen Haltung: nicht blind gegenüber Gefahren, aber entschlossen, ihnen nicht das Kommando zu überlassen. In einer Zeit, in der viele Akteure mit Angst regieren, erinnert der Podcast daran, dass demokratische Gestaltung dort beginnt, wo Furcht nicht verdrängt, sondern überwunden wird.

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