Gedenken an Kardinal von Galen und den heiligen Ludgerus in Billerbeck

, Kreisdekanat Coesfeld

Für Propst Hans-Bernd Serries ist das jährliche Gedenken rund um den 26. März, dem Sterbetag des heiligen Ludgerus, weit mehr als ein liturgischer Termin. Am Sterbeort des ersten Bischofs von Münster sieht er eine besondere Verantwortung. „Wir sind ein Ort, an dem daran erinnert wird, dass hier im Jahr 809 ein Glaubenszeuge gestorben ist mit der klaren Botschaft, dass im Tod Leben ist. Seine Botschaft ist bis heute lebendig.“

Vorne sprudelt Wasser aus dem Ludgerusbrunnen, im Hintergrund ist die Ludgerusfigur zu sehen.

Die Ludgerusfigur am Billerbecker Ludgerusbrunnen trägt die Gesichtszüge von Kardinal Clemens August Graf von Galen und verbindet damit die beiden Glaubenszeugen.

© Bistum Münster

Seit zwanzig Jahren ist Serries als Propst in Billerbeck tätig, und die Geschichte des heiligen Ludgerus begleitet ihn seit Beginn. „Mich faszinieren historische Persönlichkeiten. Der Satz, der Ludgerus zugeschrieben wird – ‚Ich verkünde euch Christus‘ – ist für mich bis heute Kern unseres Auftrags. Und genau das motiviert mich hier in Billerbeck“, sagt er.

Die Pflege dieser Erinnerung ist für ihn kein beiläufiger Aspekt, sondern eine Aufgabe, die jede Generation neu übernehmen muss. „Wenn wir Glaubenszeugen nicht in Erinnerung halten, geraten sie in Vergessenheit. Jede Zeit muss neu auf die Menschen schauen, die uns geprägt haben.“
Dass in diesem Jahr die Sanierungsarbeiten am Billerbecker Dom sichtbar werden, ist für Serries ein sprechendes Zeichen. „Wir sanieren den Dom äußerlich – aber wir müssen ihn auch innerlich erneuern. Nur ein Gebäude zu erhalten, bringt nichts, wenn wir es nicht mit Leben füllen.“ Er erinnert an das Bild aus dem ersten Petrusbrief: „Lasst euch als lebendige Steine aufbauen zu einem geistigen Haus.“ Genau das habe Ludgerus getan, und genau dazu brauche es heute neue Formen und Worte.

Auch ein weiterer Glaubenszeuge spielt für den 63 Jährigen in diesen Wochen eine besondere Rolle. In diesem Jahr jährt sich am 22. März der Todestag von Kardinal Clemens August Graf von Galen zum 80. Mal. „Ich bin früh mit seiner Biografie in Berührung gekommen. Er gehört zu den Menschen, die den Mut hatten, nein zu sagen und den Mund aufzumachen. Das brauchen wir heute genauso“, berichtet Serries. Die Nähe der beiden Gedenktage verstärke die innere Spannung dieser Zeit.

Porträt von Propst Hans-Bernd Serries

Für Propst Hans-Bernd Serries ist die Erinnerung an die Glaubenszeugen eine Ermutigung für heute.

© Bistum Münster

Seit 2009 geht die Gemeinde in Erinnerung an den heiligen Ludgerus am Sonntag vor dem Festtag den Sint Lürs Weg von Gerleve nach Billerbeck. So auch am Sonntag, 22. März. In diesem Jahr hat Serries kurze Impulse ausgewählt, die an den Seligen Clemens August und damit an den 70. Nachfolger des heiligen Ludgerus erinnern. Er möchte damit die beiden nah beieinanderliegenden Todestage verbinden. Start ist um 14 Uhr an der Abteikirche Gerleve.

Am Donnerstag, 26. März, beginnt der Ludgerus-Festtag um 9 Uhr mit dem Morgenlob in der Sterbekapelle des heiligen Ludgerus im Billerbecker Dom. Am Nachmittag machen sich Bewohnerinnen und Bewohner des St.-Ludgerus-Stifts zur Wallfahrt auf und feiern um 15.30 Uhr einen Wortgottesdienst. Den abendlichen Höhepunkt bildet die Festmesse mit dem Essener Weihbischof Ludger Schepers um 19 Uhr.

Bereits jetzt weist Serries darauf hin, dass in Billerbeck am 13. Juli, 20. Juli und 3. August jeweils um 18.30 Uhr erneut die historischen Galen Predigten gelesen werden. Eingebettet sind sie in die ökumenischen Friedensgebete, die seit einigen Jahren montags abends stattfinden. Am ersten Abend übernimmt der emeritierte Bischof Felix Genn die Lesung. Für die weiteren Termine haben Schulministerin Dorothee Feller und Landrat Christian Schulze Pellengahr zugesagt. „Dass Vertreter aus Kirche und Politik dabei sind, ist ein wichtiges Zeichen“, betont Serries.

Für ihn ist die Erinnerung an Ludgerus und an Kardinal von Galen kein Blick zurück, sondern eine Ermutigung für heute. „Diese historischen Persönlichkeiten fragen uns: Was können wir heute tun? Wie können wir Christus verkünden – mit Mut, Klarheit und neuen Wegen?“

Michaela Kiepe