Glasarche hinterlässt bedenkenswerte Botschaft

, Bistum Münster, Stadtdekanat Münster

Ein halbes Jahr war sie imposanter Blickfang für viele Passantinnen und Passanten in Münsters Innenstadt. Wer innehielt, erkannte schnell die Botschaft der Glasarche, jener Kunstinstallation vor der Petrikirche mit einer übergroßen Holzhand, in der ein fast vier Meter langes Schiff aus Glasscherben ruhte: Sie war Zeichen für die Zerbrechlichkeit und Unsicherheit, die Flucht und Migration oft kennzeichnen. Zugleich erinnerte sie daran, dass sichere Fluchtwege und menschenwürdige Hilfe ein Anliegen nicht nur von Politik, sondern eines jeden sein müssen. Jetzt hat das Kunstwerk die Stadt wieder verlassen, um auf dem Kaiser-Wilhelm-Platz in Detmold aufgestellt zu werden.

Die Botschaft bleibt aktuell. Das unterstrich Diözesanadministrator Dr. Antonius Hamers zum Abschluss des Projekts. „Die Glasarche hat uns daran erinnert, das Leid der Menschen nicht zu vergessen, die sich trotz der Gefahr für das eigene Leben auf die Suche nach einem sicheren Zufluchtsort machen.“ Gerade Christinnen und Christen sollten nie vergessen, dass jedes Leben schützenswert sei, dass „jeder Mensch ein Ebenbild Gottes ist – unabhängig von seiner Herkunft“. 

Das Thema Krieg sei in den vergangenen Jahren mit der russischen Invasion in die Ukraine und auch in den vergangenen Tagen mit dem Irankrieg näher an die Menschen herangerückt. „Vor dem Hintergrund der derzeitigen Weltlage darf uns das Schicksal der Menschen, die Not leiden, nicht egal sein.“ Auch die Erinnerung an die Schrecken des Zweiten Weltkriegs sollte uns bewusst machen, dass Flucht jeden betreffen könne, unabhängig von seiner Herkunft.

Stefanie Tegeler, Flüchtlingsbeauftragte des Bistums Münster und Leiterin des Bereichs Soziale Arbeit im Diözesancaritasverband, erinnerte noch einmal an die Flüchtlingszahlen, die im Augenblick mit 123 Millionen Menschen weltweit so hoch sei wie noch nie. „Angesichts der internationalen Entwicklungen ist davon auszugehen, dass auch künftig viele gezwungen sein werden, ihr Zuhause zu verlassen und sich auf den Weg in eine ungewisse Zukunft zu machen“, sagte sie. „Die meisten von ihnen bleiben in unmittelbarer Nachbarschaft ihrer Herkunftsländer.“

Gleichzeitig setze sich in Europa zunehmend „eine Politik der Abschreckung“ durch: „Verschärfungen im Asyl- und Aufenthaltsrecht sowie eine restriktivere Praxis bei Rückführungen und Abschiebungen bestimmen inzwischen das politische Handeln.“ Die Glasarche sei deshalb weit mehr als eine Installation. Sie sei ein „sichtbares und mahnendes Zeichen für die menschlichen Schicksale hinter den Zahlen“. „Sie erinnert uns daran, dass hinter jeder Statistik ein Mensch steht – und dass Verantwortung für Schutzsuchende nicht allein bei der Politik liegt, sondern bei uns allen.“

Das Bistum Münster, der Caritasverband für die Diözese Münster und die Akademie Franz Hitze Haus hatten die Glasarche gemeinsam nach Münster geholt. Sie entstand 2016 im Rahmen des Naturschutzprojektes GlasArche 3, initiiert vom Landschaftspflegeverband Mittleres Elstertal e.V., und macht seither Station an verschiedenen Orten in Deutschland. Das Projekt in Münster wurde von einer Vielzahl an Veranstaltungen begleitet, darunter Lesungen, Gottesdienste, Ausstellungen und Vorträge.