
(von links) Felix Elbers, Pit Brüssel, Dr. Angela Kunze-Beiküfner, Dr. Fana Schiefen, Sebastian Schiffmann, Dr. Delia Freudenreich, Marcus Bleimann, Stefanie Auditor, Christian Peitz.
„Und meine Tochter schaut ihn an und erwidert: ‚Nein, der ist doch kein Mensch. Das kann ich nicht beschreiben, aber fühlen kann ich es‘“, fuhr die Pfarrerin und Dozentin am Pädagogisch-Theologischen Institut der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland fort. In ihrem lebendigen, durch viele konkrete Beispiele unterfütterten Vortrag, gelang es der Pfarrerin, den Teilnehmenden bildhaft vor Augen zu führen, dass schon in den Kleinsten viel Theologie drin steckt. „Wir müssen uns nur darauf einlassen. Denn wir Erwachsene sind schnell dabei über Gott zu sprechen, als wüssten wir genau, wer Gott ist, ohne dass dabei deutlich wird, dass wir keine Tatsachen, sondern unsere Meinung vertreten.“ Allein die Bibel biete eine Fülle sprachlicher Bilder, mit denen man sich Gott annähern könne.
Theologisieren mit Kindern sei ein großer Reichtum. „Die Kinder argumentieren nach ihrer eignen kindlichen Logik, die sie aber immer weiterentwickeln, aufgrund von Informationen, die sie bekommen. Dadurch entwickeln sie dann ihre eigene Theologie – wenn sie den Raum dazu bekommen.“
Steckt der Glaube an Gott in der Krise?
Die Kölner Theologin Fana Schiefen ging der Frage nach, ob sich der Glaube an Gott in der Krise befinde oder nur die richtigen Worte fehlen, um ihn zur Sprache zu bringen. Denn „Gott scheint irgendwie seltsam schillernd-konturlos, diffus und irrelevant geworden“, diagnostizierte Schiefen. Das stelle Theologinnen, Theologen und auch Kita-Erziehende vor große Herausforderungen. „Aufgrund einer zunehmenden Pluralisierung und Komplexität der gesellschaftlichen Lebensbereiche, aber auch der Glaubenserfahrungen und religiösen Vorstellungen ist nicht davon auszugehen, dass unsere Gesprächspartnerinnen und -partner stets dasselbe meinen und verstehen, wenn wir über Gott miteinander ins Gespräch kommen.“
Daher müsse in religiösen Lernprozessen erst „der Boden für eine Vermittlung des persönlichen Gottesverhältnisses“ bereitet werden. So würde es sich zum Beispiel anbieten, zunächst im alltäglichen Leben Hinweise zu entdecken, die zum Nachdenken, Fragen und Suchen nach Gott einladen. Bei Kindern würde sich die Entwicklung eines Gottesbildes zu einem „nicht unwesentlichen Teil auch aus den Gefühlen und Phantasien des Kindes selbst“ vollziehen.
Delia Freudenreich aus Paderborn brachte das religionspädagogische Konzept des „Godly Play“ ins Spiel, das „auf den Prinzipien der Montessori-Pädagogik basiert und Kinder sowie Erwachsene dazu anregen soll, den Glauben durch spielerisches Entdecken zu erfahren“. Godly Play erzähle biblische Geschichten auf eine sehr elementarisierte Art und Weise, dabei unterstützt durch Materialen wie Figuren und zum Beispiel hellen Sand, „der die Wüste“ darstellen könne.
Rede über Gott gelingt da, wo sie stattfindet
Im Anschluss an die Fachvorträge hatten die Teilnehmenden die Chance, das Thema in fünf Workshops gezielt zu vertiefen. „Auf dieser Fachtagung sind wir der Frage nachgegangen, wie man heute noch über Gott sprechen kann. Das ist uns auf vielfältige Art und Weise gelungen“, zog Sebastian Schiffmann, Akademie-Dozent und Mitarbeiter im Aktionsprogramm, ein positives Fazit – und ergänzte: „Die Rede über Gott kann immer da gelingen, wo sie stattfindet. Wie zum Beispiel heute bei uns.“
Jürgen Flatken
