Klaus Abel und Hermann Lösing werden zu Ständigen Diakonen geweiht
Hermann Lösing war sich sicher: Eine Verbindung zwischen seinem Zivilberuf als Beamter in der Liegeschaftsabteilung der Gemeinde Nottuln und seiner zukünftigen Tätigkeit als Diakon gibt es nicht.
"Aber dann kamen die Fragen", erinnert sich der 56-Jährige. Schon jetzt, noch vor seiner Weihe, sei es zweimal vorgekommen, dass ihn Kollegen um Rat gefragt hätten. "Ich bin zwar nicht als Missionar oder so unterwegs, aber manchmal reicht es auch schon, einfach kurz zuzuhören", sagt Lösing.
"Wir sind in unseren Berufen, in unseren Familien, in der Gemeinde ansprechbar für Menschen, die sich für den Glauben interessieren", sagt Klaus Abel. Die beiden Männer haben sich vor vier Jahren entschieden, ihr "Christsein in eine andere Form" zu bringen, wie Abel es formuliert. Am Sonntag, 22. November, wird Bischof Dr. Felix Genn sie gemeinsam mit fünf weiteren Männern im St.-Paulus-Dom in Münster zu Ständigen Diakonen mit Zivilberuf weihen. Hermann Lösing wird sich in der Pfarrei Ss. Fabian und Sebastian in Rosendahl einbringen, Klaus Abel in der Anna-Katharina-Gemeinde in Coesfeld.
Rationale Gründe gebe es nicht für seinen Entschluss, Diakon zu werden, sagt Abel. Und das, obwohl er als europäischer Serviceleiter für ein amerikanisches Medizintechnikunternehmen viel mit Zahlen zu tun hat. Sein Büro hat er zu Hause, kann so nahe bei seiner Familie, seinen drei Kindern sein. "Es ist mehr eine Gewissheit, dass es das Richtige ist, Diakon zu werden", sagt er. Abel gehört zu den Mitbegründern eines Gesprächskreises in seiner Pfarrei. Sich mit anderen Menschen gemeinsam über den Glauben auszutauschen, das mache ihm "unwahrscheinlich viel Freude". "Irgendwann habe ich gemerkt, dass mich dieser Dialog, dieses Sprechen über meinen Glauben enorm bereichert und dass mir die Menschen auch zuhören", sagt er.
Klaus Abel wird in seiner Gemeinde in Coesfeld der erste Diakon seit über 20 Jahren sein. Die erste Amtshandlung stehe damit für ihn auch schon fest, erzählt er schmunzelnd: "Der Gemeinde erstmal erklären, was ein Diakon ist und welche Aufgaben er hat." Und damit meint er seine persönliche Interpretation des Diakonats, "die vielleicht eine andere ist, als die, die man in Broschüren immer findet." Der 48-Jährige möchte als Diakon dorthin gehen, "wo der dienende Dienst gerade nötig ist, an die Ränder der Gesellschaft".
"Dazu zählen für mich nicht nur Flüchtlinge, sondern auch junge Familien oder Jugendliche, für die es kein umfassendes Angebot in der Pfarrei gibt", erklärt er. Wie sein Dienst "an den Rändern" genau aussehen soll, dafür möchte er sich im kommenden Jahr Zeit nehmen.
Hermann Lösing hat sich das dagegen schon genau überlegt. Drei Aufgaben im sozial-caritativen Bereich möchte er nachgehen.
"Kommunionfeiern im Altenheim zählen dazu, außerdem möchte ich mich als Behördenbegleiter sowohl von älteren Menschen als auch von Flüchtlingen einbringen und im Krankenhausbesuchsdienst mitarbeiten", sagt er. Dabei sei es aber wichtig, dass die Familie nicht zu kurz komme.
Denn die Familie ist es, die beiden Männer Kraft für ihre Aufgabe gibt. "Ohne unsere Ehefrauen wäre schon die vierjährige Ausbildung nicht möglich gewesen", sagt Hermann Lösing. Sein Kollege stimmt ihm zu: Seine Frau habe ihm immer den Rücken frei gehalten, obwohl sie von seinem Entschluss, Diakon zu werden, nicht begeistert gewesen sei. Dennoch habe er die Hoffnung, "dass mein Dienst als Diakon meiner Frau und mir Felder ermöglicht, in denen wir auch als Paar wirken können." Das wünscht sich auch Hermann Lösing. In manchen Bereichen werde dies sicherlich leichter gelingen, sagt er und schmunzelt. "Meine Frau arbeitet schließlich als Pastoralreferentin in unserer Pfarrei."
Dass die nächsten Monate Veränderungen mit sich bringen, davon sind Hermann Lösing und Klaus Abel überzeugt. Beide engagieren sich schon seit vielen Jahren in ihren Pfarreien – als Kommunionhelfer, Lektoren, in Gesprächskreisen oder dem Vorbereitungskreis für Kinderwortgottesdienste. "Aber demnächst gehören wir mit unseren Namen offiziell zum Seelsorgeteam der Gemeinde", verdeutlicht Lösing den Unterschied.
Ein Zustand, dem die Männer positiv entgegenblicken: Schon jetzt erlebt Hermann Lösing Begegnungen mit Menschen als Bereicherung, "die vielleicht gar nicht das Gespräch suchen, sondern einfach eine Stütze brauchen". "Da zu sein, zuzuhören und anderen Menschen so helfen, das macht mich glücklich", sagt er. Auch Klaus Abel freut sich auf seinen Dienst: "Ich freue mich darauf, für die Kirche Gesicht zeigen zu können, Stellung zu beziehen und als Mensch im normalen Lebenskontext ansprechbar zu sein."
Text: Bischöfliche Pressestelle
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