Mechthild Thiel aus Havixbeck leitet ehrenamtlich Beerdigungen

, Kreisdekanat Coesfeld

 Für Mechthild Thiel ist ihr neues Ehrenamt eine Herzensangelegenheit. Die 57‑Jährige hat im vergangenen Jahr den Ausbildungskurs für den Trauer- und Begräbnisdienst des Bistums Münster abgeschlossen. Drei Beerdigungen hat sie seit ihrer Beauftragung bereits geleitet. In ihrer Pfarrei St. Dionysius und St. Georg in Havixbeck ist sie die erste und bislang einzige ehrenamtliche Trauer- und Beerdigungsleiterin.

Ihr Weg in dieses Ehrenamt wirkt folgerichtig. Thiel ist ausgebildete Krankenschwester und arbeitet seit zwölf Jahren im Dülmener Hospiz Anna Katharina. „Natürlich habe ich mich vor meinem Wechsel gefragt, wie viel Tod ich ertragen kann. Aber ich gehe in meinem Beruf auf“, sagt sie. Zuvor war sie sieben Jahre ehrenamtlich in der Hospizbewegung Havixbeck aktiv. Auch deshalb fühlte sich der Schritt, sich für den Trauer- und Begräbnisdienst ausbilden zu lassen, richtig an. „Im Hospiz gestalte ich auch unsere Verabschiedungsfeiern. Das Thema ist mir nicht fremd.“ Zusätzlich habe sie ihren Ehemann Stephan während seiner Ausbildung zum Ständigen Diakon begleitet. „In den Treffen und Seminaren habe ich viel gelernt.“
 

Mechthild Thiel steht im Garten und lächelt in die Kamera.

Bei ihren Beerdigungen, die Mechthild Thiel ehrenamtlich leitet, trägt sie ein Tuch, deren Farben eine besondere Bedeutung haben.

© Bistum Münster

In ihrem neuen Ehrenamt findet sie eine Form, „ihr Diakonat zu leben“, wie sie es nennt. „Für mich ist es ein Dienst der Barmherzigkeit, einem Menschen die letzte Ehre zu erweisen und ihn auf seinem letzten Weg zu begleiten.“ Ein wichtiger Teil dieses Dienstes sind für sie die Gespräche mit den Angehörigen. „Ich kann ihnen Hoffnung geben, dass nach dem Tod noch etwas kommt – ohne ihnen meinen Glauben aufzudrängen“, betont Thiel, Mutter zweier erwachsener Kinder. Durch ihren beruflichen Hintergrund könne sie sich schnell in Menschen und ihre Lebenssituationen hineindenken.

Nach den Trauergesprächen beginnt die Vorbereitung der Trauerfeier. „Bei den Verabschiedungsfeiern im Hospiz spreche ich frei. Für die Wortgottesdienste bei Beerdigungen schreibe ich mir allerdings einen Plan – das gibt mir Sicherheit.“ In ihren Unterlagen, aber auch online sucht sie nach passenden Texten. „Wenn ich etwas gefunden habe, beschäftige ich mich intensiv damit und schaue, wie ich es in die Trauerrede einbringe.“ Dabei ist ihr wichtig, „das Menschliche zu betonen und verständlich zu bleiben“. Eine gründliche Vorbereitung sei unerlässlich: „Eine Beerdigung kann man nicht wiederholen.“

Zu den Feiern trägt Thiel eine schlichte weiße Albe. Farbe bringt ein Tuch, das sie um den Hals bindet. „Mit der Albe bin ich in einer anderen Rolle, aber mit dem Tuch bringe ich etwas von mir ein.“ Die Farben seien bewusst gewählt: Grün stehe für Hoffnung, Lila für die Würde jedes Menschen, Schwarz für die Trauer, die Raum haben darf.

Die Ausbildung erlebte Thiel als unterstützend und wertschätzend. „Wir waren eine gute Gruppe, die sich gemeinsam auf den Weg gemacht hat“, sagt sie. Mit einigen Teilnehmerinnen ist sie weiterhin im Austausch. Auch die Möglichkeit, als Frau diesen Dienst zu übernehmen, habe sie motiviert. „Wir gehören zur Gemeinschaft. Mit diesem Dienst möchte ich ein Zeichen setzen.“

Michaela Kiepe