
Weihbischof Zekorn war als Gastprediger zum Friedensgebet nach Everswinkel gekommen und würdigte die Treue der Betenden.
© Bistum Münster„Ungezählte Male haben mir Ukrainer für unser Gebet gedankt“, sagte Weihbischof Dr. Stefan Zekorn beim Friedensgebet am Rosenmontag, 16. Februar, in der evangelischen Johanneskirche. Der Regionalbischof für das Kreisdekanat Warendorf war als Gastprediger nach Everswinkel gekommen und würdigte die Treue der Betenden. Hannelie Jestädt vom Organisationsteam erklärte: „Es ist Rosenmontag, aber der Krieg macht auch vor Feier- und Festtagen keinen Halt. So bleiben wir treu.“
Am 28. Februar 2022 – nur vier Tage nach Beginn des Großangriffs – waren zahlreiche Christinnen und Christen erstmals zu einem ökumenischen Friedensgottesdienst zusammengekommen. Die St.-Magnus-Kirche konnte die vielen Menschen damals kaum fassen. Sie suchten Trost, Halt und Gemeinschaft – und einen Ort, um ihre Sorgen, Ängste und Hoffnungen im gemeinsamen Gebet vor Gott zu bringen.
In seiner Predigt berichtete Weihbischof Zekorn eindrücklich von Begegnungen mit Menschen in der Ukraine. Besonders bewegt habe ihn ein Besuch in einem Ferienlager für Kinder von gefallenen oder im Krieg stehenden Soldaten, das durch kirchliche Unterstützung mitfinanziert wird. Viele der Kinder hätten dort erstmals offen über ihre Angst und ihre Trauer sprechen können.
Auch der Besuch eines Soldatenfriedhofs in Lemberg habe sich ihm tief eingeprägt. Dort lägen weit mehr als 1000 Gefallene aus der Stadt. Vier junge Erwachsene hätten lange am Grab eines 20-Jährigen gebetet – eines ehemaligen Mannschaftskameraden aus ihrem Volleyballteam. Solche Bilder, ebenso wie zerstörte Wohnhäuser oder Berichte von Frauen, die mit ihren Kindern nächtelang in U-Bahn-Schächten Schutz suchen, zeigten das unermessliche Leid des Krieges.
Der Schutz der Schwachen sei ein klarer christlicher Auftrag, betonte Zekorn. Unterstützung für die Ukraine bedeute, sich an die Seite eines schuldlos angegriffenen Volkes zu stellen. Zugleich machte er deutlich, dass echter Friede mehr sei als die bloße Abwesenheit von Waffen. Dauerhafter Friede brauche Gerechtigkeit und die Begrenzung von Gewalt.
Im ökumenischen Friedensgebet in Everswinkel stehen inzwischen nicht nur die Ereignisse in der Ukraine im Mittelpunkt. Auch der Krieg im Nahen Osten sowie weitere bewaffnete Konflikte weltweit werden in Fürbitten und stiller Klage vor Gott getragen.
Im Rahmen der Ukrainetage 2026 der Stadt Münster lädt unter anderem die Abteilung Weltkirche im Bischöflichen Generalvikariat (BGV) zu einer Mahnwache mit anschließendem Solidaritätsmarsch ein. Die Veranstaltung findet am Samstag, 21. Februar, um 11 Uhr am Historischen Rathaus gemeinsam mit dem Verein Ukrainische Sprache und Kultur in Münster sowie dem Verein UAre Ukrainehilfe aus aller Welt statt.
Ann-Christin Ladermann
