Missio‑Truck sensibilisiert in Coesfeld für moderne Formen der Sklaverei

, Kreisdekanat Coesfeld

Was haben Kosmetik, Orangen, Schokolade, Fußbälle oder auch Handys mit moderner Sklaverei zu tun? Eine ganze Menge. Diese Erkenntnis überrascht viele Schülerinnen und Schüler des Heriburg-Gymnasiums ebenso wie Erwachsene, die den Truck des katholischen Hilfswerks missio besuchen. Auf Einladung der Pfarrei St. Lamberti, des „Fair gehandelt“-Ladens und des Partnerschaftskreises Ghana macht die interaktive Ausstellung „Eine Welt. Keine Sklaverei“ fünf Tage lang Station auf dem Schulhof des Gymnasiums.

„Es ist eine sehr gute Möglichkeit, nicht nur jungen Menschen dieses wichtige Thema näherzubringen – und zwar nicht historisch, sondern mitten in unserer Zeit und mit vielen Verbindungen zu unserem Alltag“, sagt Ingrid Uphoff, die gemeinsam mit Mechthild Bäumer den Truck nach Coesfeld geholt hat. Auch Schulleiterin Christine Uphues freut sich über die Gelegenheit, dass sich die Schülerinnen und Schüler ab der 7. Klasse für eine Doppelstunde intensiv mit dem Thema auseinandersetzen können: „Das passt hervorragend zu unserem Projekt ‚Nachhaltiges Lernen‘ – kurz ‚NaLe‘. Die Siebtklässler tauchen dabei sechs Wochen lang in die Welt der nachhaltigen Entwicklung ein und beschäftigen sich mit den globalen Herausforderungen unserer Zeit.“

Auch Erwachsene können die Ausstellung am Nachmittag besuchen. Die virtuelle Begleitfigur „Chris“ führt sie durch fünf Räume, die das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Dabei erfahren die Besucherinnen und Besucher, dass weltweit mehr als 50 Millionen Menschen in moderner Sklaverei leben und unter ausbeuterischen Bedingungen arbeiten.

Besucherinnen schauen auf einen Monitor, im Vordergrund ist ein Stück Mica zu sehen.

Neu sind die Informationen über den Abbau des Minerals in Madagaskar, das sich verarbeitet in zahlreichen Produkten von der Kosmetik über Autolacke bis hin zu Elektronikgeräten findet.

© Bistum Münster

In einem Raum lässt sich per Scan an Alltagsprodukten nachvollziehen, wo prekäre Arbeitsverhältnisse eine Rolle spielen. So arbeiten etwa Geflüchtete in Italien für einen Hungerlohn auf Orangenplantagen, junge Frauen in Bangladesch fertigen Fast Fashion, und in Ghana zerlegen Kinder auf Schrotthalden Elektroschrott für die Herstellung von Smartphones.

Neu gestaltet wurde der Raum zum Mineral Mica, das in Madagaskar unter katastrophalen Bedingungen abgebaut wird. Kinder, Frauen und Männer schürfen es in Minen, damit es später in Autolacken, Lippenstiften, Tapeten oder Elektrogeräten wie Computer und Bügeleisen für Glanz sorgt. Die Gewinne erzielen meist die weiterverarbeitenden Unternehmen. Hoffnung macht ein Projekt, das missio unterstützt: Die „Grüne Schule“ ermöglicht Kindern vor Ort Schulunterricht und eröffnet Zukunftsperspektiven.

Ein weiterer Raum stellt Menschen vor, die sich weltweit gegen moderne Sklaverei engagieren. Dazu zählt auch der Lengericher Pfarrer Peter Kossen, der sich seit Jahren für faire Arbeits- und Lebensbedingungen insbesondere in der deutschen Fleischindustrie einsetzt.

Viele Besucherinnen und Besucher verlassen die Ausstellung nachdenklich. Einig sind sie, dass sie zuvor von dem Mineral Mica, seinem Abbau und der Verwendung noch nie etwas gehört haben. „Die Ausstellung beschreibt ein sehr komplexes Feld. Ich hätte gern noch mehr erfahren, aber in 25 Minuten ist das natürlich nicht möglich“, sagt Judith Kraft. Monika Grüter ergänzt: „Die Informationen zeigen, wie kompliziert die Welt geworden ist und schärfen das Bewusstsein für das eigene Verhalten.“ Auch Renate Lammering ist beeindruckt. „Wir können regional und fair gehandelte Produkte einkaufen. Aber es gibt nicht den einen richtigen Weg. Wichtig ist, überhaupt anzufangen“, ist sie überzeugt.

Michaela Kiepe