
Domkapitular André Sühling in seiner Predigt: „Wenn wir heute der Opfer des Nationalsozialismus gedenken, dann stehen wir vor den ewigen Trümmern.“
Zuvor hatten Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Münster, der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Kränze am Zwinger auf der Promenade niedergelegt – an dem Ort, an dem einst Menschen von der Gestapo ermordet wurden.
In seiner Predigt rückte Sühling das gesprochene Wort in den Mittelpunkt. Er machte deutlich, dass Gedenken nicht nur Erinnerung bedeutet, sondern Verantwortung verlangt. Ausgehend von den biblischen Texten Kohelet und dem 74. Psalm erinnerte er an die Menschen, die „keinen Tröster hatten“ und deren Leid überdauert – die sogenannten ewigen Trümmer der Geschichte. Sühling hatte dies zu Beginn seiner Predigt eindrucksvoll dargestellt – mit einem Sologesang aus Johannes Brahms „Vier ernsten Gesängen“. Lavinia Dragos hatte ihn am Klavier begleitet.
Ein besonderes Augenmerk legte Sühling auf die Tagebuchaufzeichnungen der Jüdin Etty Hillesum, die während ihrer Haft im Durchgangslager Westerbork schrieb, dass Menschen die Pflicht haben, Gott in der Welt einen Platz zu bewahren. „Nicht: ‚Wo war Gott?‘, sondern: ‚Wo war der Mensch, um Gott einen Platz in dieser Welt zu bewahren?‘“, zitierte Sühling. Damit verband er die historische Erinnerung mit der Gegenwart: Gedenken sei kein Rückblick allein, sondern ein Auftrag, Menschlichkeit und Verantwortung aktiv zu leben: „Erinnern ist ein aktiver Widerstand gegen die Absurdität des Bösen“, betonte Sühling.

