Neue EFL in Lengerich
Versteckt hinter einer Apotheke in Lengerich liegt die 37. Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle (EFL) des Bistums Münster, die am 17. September in Anwesenheit von Vertretern aus Politik, Kirche und Gesellschaft offiziell eingeweiht worden ist.
Menschen, die Probleme mit sich, ihrer Familie oder Partnerschaft haben, können sich in der Bahnhofstraße 88a kostenlos beraten lassen.
"Was passiert eigentlich hinter der Tür zum Beratungszimmer", fragte Dr. Markus Wonka, Leiter der EFL des Bistums Münster zu Beginn der Feierlichkeiten, "hinter jener magischen Tür, wenn sie sich schließt?" Man sehe Menschen, die an ihre Grenzen gekommen seien, die Ängste, Sorgen und Probleme hätten. Man sehe Ehepaare, die enttäuscht darüber seien, was aus ihrer Ehe geworden sei. Man sehe Paare, die nicht mehr miteinander sprechen könnten, ohne dass das Gespräch eskaliert. "Hier ist ein Ort, an dem man sich seiner Realität stellen kann, ungeschminkt, ohne verurteilt oder abgelehnt zu werden", fuhr Wonka fort, "hier kann man einen Weg zu finden, um aus dem Tal wieder heraus zu kommen, um wieder zu sich oder zueinander zu finden." Das Eingeständnis, es nicht alleine zu schaffen, nötige Respekt ab. "Es bedarf Mut, die Tür zum eigenen Ich aufzumachen und der Beraterin davon zu berichten, Schutzräume, um die Not verarbeiten zu können", betonte Wonka.
Bereits im April hat die EFL in Lengerich ihre Türen geöffnet, um Menschen in Notlagen beratend zur Seite zu stehen. Und der Bedarf ist da. "Die Beratungszeit ist schon gut ausgelastet", berichtete Marion Klinkenbusch-Gierlich, EFL-Beraterin in Ibbenbüren und Lengerich von den Erfahrungen des ersten halben Jahres, "es kommen Menschen in allen möglichen Lebenskrisen zu uns."
Zuvor hatte eine Bedarfsanalyse gezeigt, dass vergleichsweise wenig Menschen aus Lengerich und Umgebung die nächstgelegene Beratungsstelle in Ibbenbüren aufsuchten. "Wenn die Menschen nicht zu uns kommen, kommen wir eben zu den Menschen", begründet Wonka die Entscheidung für die Beratungsstelle in Lengerich. Das Bistum Münster stellt dabei die Räumlichkeiten zur Verfügung, der Landkreis Steinfurt trägt die Personalkosten. "Damit leisten wir auch einen Beitrag für die Pastoral vor Ort", führt Wonka aus, "denn so bleibt trotz immer größerer kirchlicher Einheiten die Hinwendung zum Einzelnen möglich." Paare würden in schwierigen Zeiten nicht allein gelassen.
Tilman Fuchs, der Leiter des Jugendamtes im Kreis Steinfurt, nimmt dem Thema die Schwere, als er ergänzt: "Als vor 50 Jahren die erste EFl ins Leben gerufen wurde, hatten die Gründer Lengerich bereits im Blick." Das Kürzel verrate das: "EFL steht für ,endlich für Lengerich‘" – mit dieser Deutung hatte Fuchs die Lacher auf seiner Seite. Pfarrer Karl Jasbinschek segnete im Anschluss die Räume und die Mitarbeitenden.
Die Beratungsstelle ist mittwochs von 9 bis 16 Uhr besetzt, wobei eine telefonische Anmeldung nötig ist. Jeder, der Hilfe sucht, kann sich kostenfrei an die EFL wenden. "Alter, Geschlecht, Familienstand, Konfession oder Nationalität sind für uns nebensächlich", ergänzt Klinkenbusch-Gierlich.
Text: Bischöfliche Pressestelle
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de
