Schon der Rahmen machte deutlich, worum es ging: Gemeinschaft. „Wir feiern hier nicht nur Geschichte, sondern auch gelebten Zusammenhalt“, betonte Gorißen zu Beginn der Veranstaltung, die in Kooperation mit der Pfarrei St. Bonifatius und St. Lambertus stattfand. Gerade dieser Zusammenhalt sei die große Stärke ländlicher Regionen – und zugleich der Schlüssel für ihre Zukunft. „Ländliche Räume sind zentrale Orte für die Entwicklung unseres Landes. Hier entscheidet sich, ob Transformation gelingt“, sagte die Ministerin.
Dabei widersprach sie ausdrücklich einem lange verbreiteten Defizitblick auf das Dorfleben. Studien zeigten, dass eine große Mehrheit der Menschen ländliche Regionen als attraktive Lebensorte wahrnehme. Doch diese Attraktivität sei kein Selbstläufer: „Lebensqualität entsteht durch Engagement und Zusammenarbeit – besonders durch das Ehrenamt.“
Das Thema Ehrenamt zog sich wie ein roter Faden durch den Abend, der von Christoph Ackfeld und Anja Tenbrock von „Die Glocke“ moderiert wurde. Immer wieder wurde deutlich, wie sehr Vereine, Initiativen und Nachbarschaften das Leben vor Ort tragen und gestalten. Zugleich berichteten Bürgermeister und Gäste von wachsenden Herausforderungen: Nachwuchsprobleme in Vereinen, steigende bürokratische Anforderungen oder die Frage, wie viel Verantwortung Ehrenamtliche künftig noch schultern können.
Ministerin Gorißen machte deutlich, dass Politik hier unterstützen müsse – etwa durch Förderprogramme für Dorfentwicklung, Begegnungsorte oder digitale Infrastruktur. Gleichzeitig formulierte sie auch eine klare Erwartung: „Wo das Geld knapper wird, gewinnt das Ehrenamt noch mehr an Bedeutung.“ Wichtig sei dabei, Engagement nicht zu überfordern, sondern wertzuschätzen und zu ermöglichen.
In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Landrat Dr. Olaf Gericke sowie den Bürgermeistern Peter Horstmann (Warendorf), Sebastian Seidel (Everswinkel), Josef Uphoff (Sassenberg), Karl Piochowiak (Ostbevern) und Rolf Mestekemper (Beelen) wurden Chancen und Herausforderungen greifbar. Themen wie ärztliche Versorgung, Dorfkneipensterben oder Sicherheitsauflagen bei Veranstaltungen zeigten, wie komplex die Rahmenbedingungen geworden sind.
Gleichzeitig wurde aber auch der Pragmatismus deutlich, der viele Dörfer prägt. Ob Dorfgemeinschaftshäuser als neue Treffpunkte, Bürgerbusse oder interkommunale Zusammenarbeit – an vielen Orten entstehen kreative Lösungen aus eigener Initiative heraus. „Nicht nur reden, sondern machen“, brachte es ein Teilnehmer auf den Punkt.
Mehrfach betonten die Bürgermeister eines der zentralen Zukunftsthemen: die Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg. Gerade kleinere Kommunen seien zunehmend darauf angewiesen, Ressourcen zu bündeln – etwa bei Verwaltung, Infrastruktur oder Dienstleistungen. Hier, so die einhellige Einschätzung auf dem Podium, liege großes Potenzial.
Ann-Christin Ladermann












