Hoffnung zeigt sich oft in den Momenten, in denen Menschen über sich hinauswachsen – so wie Oliver Moormann es erlebt hat. Was er sich für die Gesellschaft wünscht, erlebt er regelmäßig in der Akademie Franz-Hitze-Haus: Zivilcourage und Zusammenhalt. „Ein beherztes Zupacken, wenn die Not groß ist, das habe ich mehrmals bei uns im Haus erlebt. In der Gesellschaft würde ich mir das noch häufiger wünschen“, sagt der 54-Jährige, der in diesem Jahr sein silbernes Dienstjubiläum feiert. „Unglaublich, wie die Zeit vergeht“, meint er mit einem Lächeln.
Oliver Moormann hat arbeitet als Haustechniker in der Akademie Franz-Hitze-Haus und hat extreme Situationen erlebt.
Gemeinsam mit einem Kollegen ist Moormann für die Haustechnik, Infrastruktur und Bewirtschaftung des Gebäudes zuständig. Besonders schätzt er die Kollegialität im Team: „Wenn eine zusätzliche helfende Hand benötigt wird, kann ich immer jemanden fragen.“
Ein Ereignis ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben: der 18. Januar 2007. An diesem Tag fegte der Orkan Kyrill über Europa – und traf auch Münster mit voller Wucht. „Daran erinnert sich sicherlich jeder, der ihn miterlebt hat“, sagt Moormann.
Er hatte an diesem Donnerstag Dienst. „Im Laufe des Nachmittags wurde es immer stürmischer. Ich bin im Haus geblieben, denn wir hatten viele Gäste.“ Gegen 17 Uhr nahm der Sturm deutlich an Intensität zu. „Plötzlich hörte ich ein lautes Scheppern und der Strom fiel aus“, berichtet er. Was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Der Orkan hatte große Teile des Wellblechdaches abgedeckt.
„Eine Privatperson kam ins Haus und berichtete, dass das halbe Dach auf die Straße geflogen war. Unser Haus liegt direkt am vielbefahrenen Ring. Das war natürlich sehr gefährlich.“ Erst auf den zweiten Blick erkannte Moormann den Mann: ein langjähriger Mitarbeiter einer Elektrofirma, der nicht in Arbeitskleidung unterwegs war. Gemeinsam räumten sie die Straße von Wellblechen und sammelten weitere Teile ein. „Er hat mir die halbe Nacht geholfen, denn der Tagungsbetrieb musste ja weiterlaufen.“
Am 18. Januar 2007 hinterließ der Orkan Kyrill am Franz-Hitze-Haus eine Spur der Verwüstung.
Erst Stunden später kam die Feuerwehr und übernahm die Bergung der größeren Teile. Das Franz-Hitze-Haus war stark beschädigt, der Strom blieb aus und die Küche musste kalt bleiben. Doch die Gäste zeigten Verständnis. „Sie waren sehr gnädig mit uns“, erinnert sich Moormann. Die Veranstaltung fand trotz des defekten Daches statt, und auch mit der kalten Küche arrangierten sich alle. „Es war ein Ausnahmezustand, der mir Gottseidank nicht wieder passiert ist. Spontan haben wir vieles entschieden, was richtig und wichtig war. Das war wirklich ein Glück.“
Ein weiteres Ereignis, das Hoffnung schenkt, ereignete sich im Sommer 2014. Ein Starkregen verwandelte Münster in ein Überschwemmungsgebiet. Auch das Franz-Hitze-Haus blieb nicht verschont. „Im Souterrain gibt es eine Terrasse mit Zwangsentwässerung. Der Regen war so mächtig, dass die Pumpen ausfielen und sich ein ‚Pool‘ vor der Glasscheibe bildete“, erzählt Moormann.
Zwar war er an diesem Tag nicht im Haus, doch die Geschichte kennt er gut. Das Fenster hielt dem Druck nicht stand, Wasser drang ein. Dann stand der gesamte Keller unter Wasser. Sein Kollege kämpfte den ganzen Abend gegen die Fluten, unterstützt von Stipendiatinnen und Stipendiaten des Cusanuswerks, die gerade ein Seminar im Haus veranstalteten. „Das war ein toller Einsatz der jungen Menschen“, sagt Moormann dankbar.
Auch wenn Naturgewalten wohl zunehmen werden, diese beiden Erlebnisse geben Oliver Moormann Hoffnung. „Die meisten Menschen haben ein Gespür dafür, ob sie helfen können, wenn es schwierig wird. Wenn ich es selbst schaffe, mache ich keinen Notfall aus einer kleinen Sache, denn unsere Gäste sollen sich bei uns wohlfühlen. Aber wenn ich Hilfe brauche, bekomme ich sie immer. In Notsituationen halten hier alle im Team zusammen. Da geht es nicht um Zuständigkeiten.“
Text: Michaela Kiepe / Fotos: Akademie Franz-Hitze-Haus