Prof. Klaus Engel gestaltete geistlichen Themenabend im Dom
"Gerechtigkeit im unternehmerischen Handeln – Unternehmensethik als Herausforderung im Alltag":
Unter dieser Überschrift stand die Fastenpredigt von Prof. Dr. Klaus Engel, Vorstandsvorsitzender von Evonik Industries, die er am Mittwoch, 12. März 2014, im St.-Paulus-Dom in Münster zum Auftakt der "Geistlichen Themenabende in der Fastenzeit" hielt.
Prof. Engel ging in seiner Rede von der Beobachtung aus, dass die Wirtschaft, vor allem die Finanzwirtschaft, heute keinen besonders guten Ruf hat. Erschreckend sei, dass laut Umfragen nur 35 Prozent der Deutschen meinten, in Deutschland gehe es insgesamt sozial gerecht zu. "Das sollte uns wirklich zu denken geben", mahnte Engel. Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise habe die Begrenztheit des Gewinn maximierenden Denkens auf drastische Weise deutlich gemacht. "Was wir im Bankenbereich erlebt haben, hat einen verheerenden Flurschaden ausgelöst hinsichtlich des Vertrauens in Wirtschaftstheorie, Wirtschaftsprognose, Wirtschaftspolitik und aller damit verbundenen Akteure", sagte Engel. Missstände seien allerdings nicht die Folge der sozialen Marktwirtschaft, sondern die des Missbrauchs und der Geringschätzung dieser Systeme: "Es sind Versuche, aus diesen Regeln auszubrechen.".
Engel ging in seiner Fastenpredigt der Frage nach, wie sich ethische Standards des Wirtschaftens definieren und umsetzen lassen. Dabei nahm er drei Ebenen in den Blick: Wirtschaftsordnung, Unternehmen und individuelle Verantwortung der Führungskraft.
Im Blick auf die Wirtschaftsordnung unterstrich er, dass kein anderes System den Freiheitswunsch der Menschen ernster nehme als eine funktionierende Marktwirtschaft. "Speziell die Marktwirtschaft ist sozialethisch begründbar, weil sie effizient ist, sich am Konsumenten orientiert und den höchsten Freiheitsgrad bietet", sagte Engel. Er betonte – den katholischen Sozialethiker Oswald von Nell-Breuning zitierend – dass zwischen ethisch akzeptablem Verhalten und profitablem Wirtschaften keine Entweder-Oder-Beziehung bestehe: "Gewinnorientierte Unternehmensführung und ethisch akzeptables Verhalten schließen sich nicht gegenseitig aus." Das Besondere an der Sozialen Marktwirtschaft sei, dass sie das Prinzip der Freiheit auf dem Markt mit dem Prinzip des sozialen Ausgleichs verbinde. Anders als die reine Marktwirtschaft habe sie auch einen Sinn für diejenigen, die aus dem Marktprozess herausfielen. Dabei dürfe die Fürsorge für diese Menschen aber nicht nur individueller Hilfsbereitschaft überlassen bleiben: "Nicht nur der einzelne Mensch ist Träger eines gerechten Verhaltens; Gesellschaften und Ordnungssysteme selbst müssen es auch sein, sie müssen sich auf ihren Beitrag zur Gerechtigkeit abprüfen lassen." Im Kern gehe es darum, "die Würde eines jeden Menschen zu akzeptieren und zu ermöglichen." Unternehmer, die gerecht handeln wollten, brauchten eine Wirtschaftsordnung, die marktwirtschaftliches Handeln erlaube und eine Wirtschaftspolitik, die sich an den Anforderungen einer solchen Ordnung orientiere. "Zugleich muss diese Wirtschaftsordnung sozial ausgestaltet sein", forderte Engel.
Hinsichtlich der zweiten Ebene, die ethische Standards des Wirtschaftens garantieren kann, nämlich dem Unternehmen, unterstrich Prof. Engel, das Unternehmen müsse ein guter "Corporate Citizen" sein, "also ein prima Unternehmens-Bürger, der seiner sozialen und anderweitigen Verantwortung rundum nachkommt." Das zeige sich etwa in einem wertschätzenden Umgang mit den Mitarbeitern, in einer angemessenen Bezahlung, in einer hohen Transparenz und offensiven Informationsstrategien sowie in einem nachhaltigen Wirtschaften und in einem sorgsamen Umgang mit Ressourcen.
Im Blick auf die dritte Ebene, die individuelle Verantwortung der Führungskraft, machte Prof. Engel deutlich, dass Manager keine "abgebrühten gewissenslosen Funktionäre" seien. Bei gerechter Führung komme es heute darauf an, den Mitarbeitern Vertrauen zu schenken, ihnen mit Empathie zu begegnen, sie für ein Ziel zu begeistern, als Führungskraft Vorbild zu sein und Mut zur öffentlichen Auseinandersetzung zu zeigen, wenn Gefahr für Unternehmen und Mitarbeiter drohe. "Wenn Mitarbeiter spüren, dass sie von Menschen geführt werden, die ihnen nicht nur mit ausgefeilten Managementtechniken gegenübertreten, sondern die Vertrauen, Empathie und menschliche Solidarität geben, wenn sie von Menschen geführt werden, für die Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maß, aber auch Mut Tugenden des täglichen Umgangs sind, dann werden diese Mitarbeiter Respekt und eine empathische Motivation zu ihrer Aufgabe und ihrem Unternehmen entwickeln", unterstrich Prof. Engel am Ende seiner Fastenpredigt.
Diese wurde von Basssolist Mathis Koch und Domorganist Thomas Schmitz mit Arien von Johann Sebastian Bach umrahmt. Im Anschluss gab es erstmals nach einem geistlichen Themenabend die Gelegenheit, mit dem Referenten im Franz-Hitze-Haus bei einem Imbiss ins Gespräch zu kommen – ein Angebot, das viele Besucher gern annahmen.
Der geistliche Themenabend mit Prof. Engel bildete den Auftakt für eine insgesamt fünfteilige Reihe, die in diesem Jahr mit dem Motto "Eine gerechte Welt – aber wie?" überschrieben ist.
Die Wortanteile der Veranstaltung, die musikalisch von Basssolist Mathis Koch und Domorganist Thomas Schmitz mitgestaltet worden war, zeigt ein Mitschnitt. Es sind Ausschnitte aus dem Live-Videostream, der von paulusdom.de, bistum-muenster.de, kirchensite.de und katholisch.de im Internet verbreitet wurde.
Abrufbar ist der Film im Youtubekanal des Bistums Münster: youtube.com/bistummuenster.
Rednerin des nächsten geistlichen Themenabends im Dom am Mittwoch, 19. März 2014, wieder um 18.30 Uhr ist Schwester Dr. Lea Ackermann, Gründerin und Vorsitzende des Frauenhilfswerks Solwodi.
Text: Bischöfliche Pressestelle
Kontakt: pressestelle[at]bistum-muenster.de
