Noch ist alles beim Alten. Die langen Flure, die rustikalen Gästezimmer, der Speisesaal. Doch für die Landvolkshochschule (LVHS) Freckenhorst beginnt in Kürze eine neue Zeit: In den kommenden drei Jahren wird das Bildungshaus des Bistums Münster grundlegend saniert – bei laufendem Betrieb.
Bei der Neugestaltung der LVHS Freckenhorst setzt das Architekturbüro Kuckert Architekten auf natürliche Materialien wie Eichenholz und Naturstein wie hier bei einem Entwurf der neuen Kantine.
„Dieser Standort hat nicht nur seit 72 Jahren Bedeutung, sondern auch eine Zukunft“, betonte Direktor Michael Gennert beim Pressegespräch am 26. Februar. Die Erwachsenenbildung bleibe ein zentrales Anliegen des Bistums Münster – von der Stärkung des Ehrenamtes über Familienbildung bis hin zu theologischen und politischen Angeboten. Neben der LVHS Freckenhorst unterhält das Bistum mit der Wasserburg Rindern am Niederrhein und der Akademie Franz Hitze Haus in Münster zwei weitere eigene Bildungshäuser, zudem gibt es mehr als 30 bischöfliche Schulen, mehrere Bildungsforen und Jugendbildungsstätten. „Bildung wird im Bistum Münster weiterhin großgeschrieben“, versicherte auch Diözesanbaudirektorin Anette Brachthäuser.
Bereits 2019 startete ein umfassender Prozess, um die drei Bildungshäuser wirtschaftlich und baulich zukunftsfähig aufzustellen. Synergien wurden gebündelt, Zielplanungen entwickelt – nun beginnt in Freckenhorst als erstem Haus die konkrete Umsetzung. Das Gebäude aus den 1950er-Jahren stammt vom Architekten Alfons Boklage, der viele Kirchen und Gebäude im Bistum entworfen hat. Teile der Außenfassade sowie die charakteristischen Rippendecken stehen unter Denkmalschutz.
„Wir wollen nichts Neues überstülpen, sondern das Ursprüngliche wieder freilegen“, erklärte Architekt Christian Kuckert, der das Münsteraner Büro „Kuckert Architekten“ zusammen mit seiner Frau Tanja betreibt. Gemeinsam mit Projektleiter Alexander Schmidt und Innenarchitektin Kirsten Jäger setzt das Team in Freckenhorst auf natürliche Materialien wie Eichenholz und Naturstein. Konstruktion und Oberfläche sollen – ganz im Sinne des ursprünglichen Entwurfs – wieder als Einheit erfahrbar werden.
In einem ersten von drei Bauabschnitten werden zunächst das Erdgeschoss und der Nordflügel saniert, das bedeutet: Neben Seminarräumen werden vor allem die Küche und der Speisesaal modernisiert. Doch die Gäste müssen nicht hungern: „Für die Bauzeit stellen wir vor dem Gebäude einen Küchen- und einen Speisesaalcontainer auf“, erklärt Gennert. Der Westflügel steht im Mittelpunkt des zweiten Bauabschnitts, in dem die Gästezimmer inklusive Bäder erneuert und Teile des Dachs saniert werden. Die Arbeiten an den Büros und weiteren Gästezimmern im Südflügel sind in einem dritten Schritt vorgesehen. Sind die Arbeiten im Hausinneren abgeschlossen, werden die Außenanlagen angepasst und die durch Bauarbeiten beanspruchte Flächen wiederhergestellt.
Während der gesamten rund dreijährigen Bauzeit bleibt das Haus geöffnet. Etwa ein Drittel der Zimmer wird jeweils temporär nicht nutzbar sein, kündigt der Direktor der LVHS an: „Das erfordert sehr genaue Planungen.“ Künftig wird es sechs modern ausgestattete Familienzimmer geben. Insgesamt bleibt die Kapazität im Wesentlichen erhalten, jedoch mit zeitgemäßem Komfort und fest integrierten Lösungen statt bisheriger Zustellbetten.
Nach Angaben von Anette Brachthäuser wird das Bistum einen Betrag im zweistelligen Millionenbereich investieren. „Konkrete Gesamtkosten lassen sich aber angesichts schwankender Baupreise erst nach Abschluss der Ausschreibungen beziffern“, fügt die Diözesanbaudirektorin an. Besonderer Wert wird auf Nachhaltigkeit gelegt: Dach- und Untergeschossdämmung werden verbessert, eine Photovoltaikanlage wird auf dem später ergänzten Nordflügel installiert. Die denkmalgeschützten Fassaden bleiben unangetastet.
„Das Haus zwei Jahre zu schließen, wäre keine Option gewesen“, sagte Gennert, der aber um die Herausforderungen, die bei einer Sanierung bei laufendem Betrieb auf alle Beteiligten warten, weiß: „Aber ich bin froh, dass es nach langer Planungszeit nun endlich losgeht.“ Nach Ostern starten die ersten sichtbaren Maßnahmen.
Ann-Christin Ladermann
Foto oben: Die Verantwortlichen vor der LVHS Freckenhorst, die nach und nach saniert wird: (von links) Michael Genert, Kirsten Jäger und Alexander Schmidt (Kuckert Architekten), Berthold Gehring und Anette Brachthäuser (Bistum Münster) sowie Christian Kuckert (Kuckert Architekten).