Spirituelle Angebote und Begleitung
Menschen bringen eine eigene Spiritualität mit – wie verborgen und wenig explizit auch immer. Darauf zu vertrauen und diese zu entfalten, "ins Wort" zu holen, zu kultivieren und zum Wachstum anzuregen, ist Anliegen begleitender spiritueller Angebote.
"Sei Du Dein, so werde ich Dein sein" - so beschreibt Nikolaus von Cues diesen Prozess der Selbstwerdung des Menschen und die begleitende Zusage und Zuwendung Gottes.
Gott sagt uns seine Zuwendung und seinen Beistand zu, wo wir mit allem Ernst und in aller Wahrhaftigkeit um unsere Menschwerdung bemüht sind: im beruflichen Handeln, in Freundschaften und Beziehungen, in Zeiten von Muße und Freizeit und in Zeiten von Belastungen und Anstrengungen, wo unsere Kräfte für die an uns gestellten Anforderungen nicht auszureichen scheinen.
In spirituellen Angeboten geht es deswegen nicht darum, zu den ohnehin stetig steigenden Anforderungen in Schule noch zusätzliche Aufgaben und Anforderungen zu stellen. Vielmehr geht es um Ausrichtung, Konzentration und Vertiefung des eigenen Tuns und auch um die Akzeptanz eigener Grenzen.
Für wichtig halte ich die Kultivierung einer Spiritualität im Sinne einer nüchternen, für die Schule alltagstauglichen Haltung. Denn der schulische Alltag und die schulische Wirklichkeit werden durch Spiritualität ja nicht aufgehoben und auch nicht aus den Angeln gehoben. Mit einer spirituellen Haltung bewusst durchs Leben zu gehen, bedeutet auch, sich den alltäglichen Aufgaben und Herausforderungen zu stellen: ‚Vor der Erleuchtung Holz hacken und Wasser holen – nach der Erleuchtung Holz hacken und Wasserholen. Vor der Erleuchtung kopieren und korrigieren – nach der Erleuchtung kopieren und korrigieren‘.
Der achtsame Umgang mit der eigenen Spiritualität braucht auch immer mal wieder die Distanz zum schulischen Alltag. Lehrer und Lehrerinnen brauchen Zeiten und Orte außerhalb der Schule: Solche Tage des Innehaltens, der Unterbrechung ermöglichen es, im hektischen (Berufs-) Alltag punktuell der Langsamkeit Raum zu geben. Durch biblische Impulse, meditative Übungen und Zeiten der Stille und des persönlichen Nachdenkens sind solche Unterbrechungen Oasen im und Kraftquellen für den (beruflichen) Alltag.
Text: Dr. Gabriele Bußmann
E-Mail: bussmann-g[at]bistum-muenster.de
