Superintendentin: Christen verantwortlich

"Liebe Schwestern und Brüder, als Christen sind wir uns einig, dass wir uns nicht gewöhnen wollen an das, was falsch läuft." Christen könnten "gar nicht anders, als gemeinsam aufzustehen gegen das Unrecht; das Wort zu ergreifen für die, die mundtot gemacht worden sind; alle diejenigen, die an den Rand unserer Gesellschaft gedrängt werden, wieder in unsere Mitte zurückzuholen."

Mit diesen Worten erinnerte die Superintendentin des Kirchenkreises Münster, Meike Friedrich, in ihrer Predigt in der Vesper aus Anlass der Gebetswoche für die Einheit der Christen an die gemeinsame Weltverantwortung der Christen. Sie fand auf Einladung des Domkapitels am Sonntag (20. Januar 2013) in der Liebfrauen-Überwasser-Kirche in Münster statt.

In der Vesper, die vom Vorsitzenden der Bistumskommission für Ökumene, Weihbischof Wilfried Theising, geleitet wurde, wirkten neben der Superintendentin noch der evangelische Pfarrer und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Münster, Bernd Krefis, Erzpriester Militiadis Stavropoulos von der griechisch–orthodoxen Kirche sowie weitere Mitglieder der ACK Münster mit. Musikalisch wurde die Vesper von den Kantoren der Dommusik unter Leitung von Domkapellmeister Andreas Bollendorf gestaltet.

Das Thema der Gebetswoche, die weltweit vom 18.–25. Januar oder in der Woche vor Pfingsten begangen wird, lautet in diesem Jahr: "Mit Gott gehen" (Micha 6,6-8). Mit diesem biblischen Motto stellt die ökumenische Arbeitsgruppe aus Indien, die für das Jahr 2013 den Gottesdienstentwurf erstellt hat, die Lebenssituation der Menschen in ihrem Land in den Mittelpunkt, die sich selbst als "Dalits", dt. "Gebrochene" bezeichnen, weil sie im traditionellen indischen Kastenwesen als unberührbar galten. Über 80 % der rd. 25 Millionen Christinnen und Christen in Indien haben einen solchen Dalit–Hintergrund.

Ausgehend von der Botschaft des Propheten Micha, dass Gott sich nicht mit den anhaltenden Ungerechtigkeiten in seiner Welt abfinden will, und mit Bezug auf die Ausgegrenzten im indischen Kastenwesen rief die Superintendentin in ihrer Ansprache dazu auf, sich als Christen gemeinsam um die Randgruppen in unserer Gesellschaft zu kümmern: Asylsuchende, Homosexuelle, Behinderte, Alleinerziehende, Muslime, Arbeitslose.

Die Kirchen, so gab Meike Friedrich zu bedenken, mögen sich noch in manchen Lehrfragen uneinig sein, "aber sie vereinigen sich sofort in ihrer Verantwortung gegenüber den Schwachen und Untergebutterten unserer Gesellschaft. Wenn wir auf diesem Weg auch in Zukunft gemeinsam sprechen, gemeinsam handeln und gemeinsam auf Gott hören, dann liefern wir hoffentlich mit Gottes Hilfe in Zukunft weniger Anlass zu Klage und Anklage."

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Text/Foto: Dr. Michael Kappes
E-Mail: kappes[at]bistum-muenster.de