Taufe, Firmung und Kommunion mit 51 Jahren

, Kreisdekanat Warendorf

„Wenn ich nach dem Gottesdienst die Kirche verlasse, habe ich das Gefühl, ich gehe mit einem Lächeln nach Hause.“ Für Nico Gräfe ist dieses Gefühl einer der Gründe für eine Entscheidung, die er mit 51 Jahren trifft: In der Osternacht am Samstag, 4. April, wird sich der Everswinkler taufen lassen – und damit offiziell Teil der katholischen Kirche werden. 

Nico Gräfe empfängt in der Osternacht in Everswinkel die Sakramente der Taufe, Firmung und Kommunion.

© Bistum Münster

Wenige Wochen vor Ostern steht Gräfe mit Pfarrer Pawel Czarnecki in der Kirche und geht den Ablauf der Feier noch einmal durch. Eine Art Generalprobe. „Die Osternacht ist der Mittelpunkt des Kirchenjahres“, sagt der Pfarrer. „Und gleichzeitig eine Feier der Gemeinschaft.“

Für Nico Gräfe ist es der Abschluss eines Weges – und gleichzeitig ein Neubeginn. Aufgewachsen ist er in der damaligen DDR, mit Kirche oder Glauben kam er dort kaum in Berührung. Seit 1989 lebt er in Everswinkel, wo Religion ebenfalls lange keine große Rolle in seinem Alltag spielte. Eine erste Berührung gab es bei der Taufe seiner Tochter. Wirklich ins Nachdenken brachte ihn jedoch die Vorbereitung auf deren Erstkommunion. Für die Kinder wurden verschiedene Workshops angeboten – und als sich niemand für ein Thema fand, meldete sich Gräfe kurzerhand selbst. „Ich habe einfach gesagt: Dann mache ich das“, erinnert er sich. Das Thema: die Eucharistie.

„Eigentlich ein ziemlich anspruchsvolles Thema“, sagt er rückblickend und lacht. Doch die Vorbereitung auf den Workshop brachte ihn erstmals intensiver mit Glaubensfragen in Kontakt. Während der Treffen in der Kirche merkte er, dass etwas in ihm in Bewegung geriet. „Ich habe gespürt, dass das etwas mit mir macht.“ Was genau, konnte er zunächst nicht benennen. „Es war wie ein innerer Drang, dem auf den Grund zu gehen.“ Schließlich sprach er einen Bekannten aus dem Kirchenvorstand an und kam so mit Pfarrer Czarnecki ins Gespräch.
 

Diese Utensilien - die Taufmuschel und das Chrisam-Öl - kommen in der Osternacht zum Einsatz.

© Bistum Münster

Seit Mai vergangenen Jahres bereitet sich Gräfe nun mit dem Priester von St. Magnus auf die Taufe vor. Regelmäßig haben sie sich getroffen, Fragen geklärt, Geschichten aus der Bibel gelesen und die Grundgebete gelernt. Auch darüber, was es bedeutet zu glauben, wie man beten kann und welche Symbolik in der Taufe steckt, haben sie gesprochen. Für den 51-Jährigen war diese Zeit intensiv – und bereichernd. Der Taufschal und die Taufkerze liegen für die Osternacht schon bereit. Sie werden Gräfe auch danach noch lange an dieses besondere Erlebnis erinnern.

Pfarrer Czarnecki erlebt solche Wege immer wieder als etwas Besonderes. „Man begleitet jemanden von den ersten Schritten bis zum großen Moment“, sagt er. Jeder Mensch bringe seine eigene Geschichte und seine eigenen Fragen mit. „Gerade das macht diese Vorbereitung so spannend.“ Für Gräfe wurde in dieser Zeit immer klarer, dass sein Wunsch mehr ist als ein flüchtiger Gedanke. „Ich habe gemerkt, dass ich mich in den Glaubensgrundsätzen wiederfinde“, sagt er. Besonders das Gefühl der Gemeinschaft habe ihn berührt. 

Auch die offizielle Zulassungsfeier im St.-Paulus-Dom in Münster ist ihm in besonderer Erinnerung geblieben. Dort wurden er und andere erwachsene Taufbewerber aus dem Bistum vorgestellt. Besonders bewegend war für ihn der Moment, als er vor allen von seiner Motivation, sich taufen zu lassen, erzählen durfte. „Da war ich schon nervös“, erzählt er. „Aber es war auch eine sehr schöne Erfahrung.“

In der Osternacht wird Gräfe gleich mehrere Sakramente empfangen: Taufe, die erste heilige Kommunion und die Firmung. Begleitet wird er dabei von Familie, Freunden und seinem Taufpaten – einem langjährigen Freund. Nach dem Gottesdienst möchte er den besonderen Moment im kleinen Kreis feiern. „Ganz unkompliziert“, sagt er. „Vielleicht einmal anstoßen und ein kleiner Mitternachtsimbiss.“

Ann-Christin Ladermann
 

Seine Taufkerze wird an der – dann erneuerten – Osterkerze entzündet werden.

© Bistum Münster