Tränen-Stele als Mahnung

, Kreisdekanat Steinfurt

Sie wollten nicht wie andere Pfarreien symbolisch eine Blutbuche pflanzen. „Wir wollten einen eigenen Ort schaffen, der Missbrauch und Gewalt in Kirche und Gesellschaft thematisiert“, erklärt Pastoralreferent Matthias Brinkschulte. Deshalb startete die Pfarrei St. Martinus in Greven einen Künstlerwettbewerb. Die Sieger-Skulptur mit dem Titel „Tränen-Stele“ ist am 4. Mai eingeweiht worden. Sie steht am Südportal der Pfarrkirche in der Nähe zum Marktplatz. Entworfen hat sie die Künstlerin Anna Arnskötter. Die Stele zeigt in rhythmisierender Form viele große und kleine Tränen. Diese fallen auf ein umfassendes Schriftband mit dem Psalm 56,9 „Du sammelst meine Tränen.“.

Die Stele an der St.-Mrtinus-Pfarrkirche in Greven wurde nun eingeweiht.

© Pfarrei St. Martinus

„Die Auseinandersetzung mit dem Thema Missbrauch wühlt auf, sie lässt nicht kalt, sie fordert zur Auseinandersetzung und zur Positionierung“, sagte Pfarrer Michael Mombauer in seiner Ansprache zur Segnung der Stele. Er fügte an: „Wie viele Jahre haben wir als Kirche weggesehen, haben uns um Entschuldigungen und Relativierungen bemüht. Der Standort der Tränenstele lässt kein Wegschauen mehr zu. Er zwingt uns, genau hinzusehen und sich persönlich auseinanderzusetzen. Wer demnächst vom Südportal auf den Turm sieht, kann an dieser Tränenstele nicht vorbeisehen.“

Brinkschulte ergänzte diese Erklärung mit Zahlen, Daten und Fakten. Er fügte an: „Die aktuellen Zahlen der Missbrauchsstudien, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Beratungsstellen im Bistum Münster sind erschreckend. Sie bewegen, bedrücken – machen uns aber hoffentlich nicht sprachlos. Die neue Tränen-Stele ist ein Ort, der das Thema Missbrauch in die Gesellschaft, in unser Blickfeld holt. Er erinnert, er mahnt, und er ermutigt.“

Die Kirchengemeinde hat, wie alle Pfarrgemeinden im Bistum, aktuell eine Präventionsordnung und ein Schutzkonzept. Alle Personen, die in der Kinder- und Jugendarbeit tätig sind, gleich ob Priester oder nicht, durchlaufen Präventionskurse und Schulungen. Zudem arbeiten sie auf Grundlage eines Verhaltenscodex, der das christliche Miteinander in den Mittelpunkt stellt. „Wir möchten hinsehen, zuhören, sensibilisieren, einen Ort der Achtsamkeit schaffen und Tränen sammeln“, fasste Pastoralreferent Brinkschulte zusammen. 

„Dieser Ort der Achtsamkeit erinnert uns, was der Artikel 1, Satz 1, des Grundgesetzes bereits definiert: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dieser Artikel erinnert uns auch an die Botschaft Jesu, die uns im Matthäusevangelium überliefert ist: Alles, was ihr dem Geringsten meiner Schwestern und Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Dieser Botschaft sind wir als Christen verpflichtet. Sie ist und bleibt unser Auftrag als Kirche vor Ort und weltweit“, betonte Mombauer abschließend. Dann segnete er die neue Tränen-Stele, die fortan das Außenbild der Pfarrkirche mitprägt.

Matthias Brinkschulte / Gudrun Niewöhner