Zwischen Altar, Bänken und Säulen ziehen in der Everswinkler Pfarrkirche St. Magnus derzeit neun steinerne Figuren die Blicke auf sich. Sie erzählen von Frauen aus dem Neuen Testament – Frauen, die eine zentrale Rolle in biblischen Erzählungen spielen, deren Namen jedoch meist nicht überliefert sind. Mit der Ausstellung „Unbekannte Schwestern“ hat der heimische Bildhauer Stefan Lutterbeck den Kirchenraum in einen Ort des Erinnerns und Neuentdeckens verwandelt.
Die Ausstellung wurde im Rahmen eines Gottesdienstes am 1. Februar eröffnet. Musikalisch gestaltet wurde dieser vom Chor „Con Tacto“ unter der Leitung von Claudia Lawong. „Das war ein sehr schöner Rahmen“, zeigte sich der Künstler im Gespräch erfreut. Besonders die Verbindung von Gottesdienst, Musik und Kunst habe ihm gut gefallen.
Die neun Stelen bestehen aus Anröchte-Grünstein, einem Naturstein aus der Region. „Ich arbeite gern mit Materialien, die hier vorhanden sind“, erklärt Lutterbeck, der in diesem Jahr auf 50 Jahre Berufserfahrung zurückblickt. Nach vielen klassischen Darstellungen – von Madonnen über Heilige bis hin zu Krippen – habe er für diese Ausstellung bewusst ein weniger bekanntes Thema gewählt. „Frauen haben in der Kirche ja immer noch einen schweren Stand“, sagt der Bildhauer. Sein Anliegen sei es, biblische Geschichten in den Blick zu rücken, in denen Frauen eine wesentliche Rolle spielen, ohne jedoch namentlich erwähnt zu werden. „Man kennt viele dieser Geschichten, aber oft nicht unter diesem Blickwinkel.“ Der Ausstellungstitel „Unbekannte Schwestern“ bringe dieses Anliegen auf den Punkt.
Jede Stele greift eine konkrete biblische Szene auf und trägt einen prägnanten Titel, der das Handeln der dargestellten Frau beschreibt. So erinnert die Stele „Warten“ an die 84-jährige Witwe Hanna, die im Tempel auf den Erlöser wartet. Die Stele „Geben“ bezieht sich auf die Frau, die ihre letzte Münze in den Opferkasten wirft, während „Aufrichten“ die Heilung der gekrümmten Frau durch Jesus darstellt. Auch weniger bekannte Figuren finden Beachtung, etwa die Frau des Pilatus, die ihren Mann vor der Verurteilung Jesu warnt – dargestellt in der Stele „Warnen“.
Die Auswahl der Motive entstand aus intensiver Bibellektüre. „Die Bibel ist mein Arbeitsbuch“, erklärt Lutterbeck, der sich auch bei der Gestaltung von Grabmalen und Bildstöcken regelmäßig mit biblischen Texten auseinandersetzt. Zu jeder Skulptur gehört ein eigener Stein mit der entsprechenden Bibelstelle: „Ich möchte, dass sich die Leute mit dem Text beschäftigen“, sagt der Künstler. Die Besucherinnen und Besucher sollen angeregt werden, die Geschichten nachzulesen und zu vertiefen – sei es vor Ort oder später zu Hause.
Die Resonanz auf die Ausstellung sei bereits sehr positiv gewesen. Dass die Ausstellung am Sonntag, 8. März, dem Internationalen Frauentag, endet, sei ein schöner Zufall – und zugleich ein passender Schlusspunkt für das Projekt, freut sich Lutterbeck.