„Als Pfarrer Wiggeringloh mich erstmals angesprochen hat, ob ich mir vorstellen könnte, Beerdigungen zu leiten, habe ich spontan ‚Nein‘ gesagt. Doch dann habe ich mir Gedanken dazu gemacht und mich hat überzeugt, wie wichtig es in Zukunft ist, dass jeder Mensch die Möglichkeit hat, christlich beerdigt zu werden“, berichtet Sabine Wisniewski. Ihre Zusage hat die 58-Jährige nicht bereut und inzwischen bereits zwei Beisetzungen geleitet.
Auch Angelika Mizgalski war anfangs skeptisch, ob sie sich dieses Ehrenamt zutraut. „Ich bin erstmal eingestiegen mit dem Wissen, dass ich jederzeit aussteigen kann“, sagt die 66-Jährige und fügt hinzu: „Aber es fühlte sich gut an.“ Für sie ist es ein Dienst der Barmherzigkeit.
Auch Monika Pape hat der Gedanke bewegt, dass Verstorbene würdig bestattet werden. „Für mich ist es ein besonderes Gefühl, einen Menschen beerdigen und die Familie begleiten zu dürfen“, sagt die 61-jährige Pflegeberaterin.
„Wir begegnen sehr unterschiedlichen Menschen und erleben sie in einer schweren Zeit ihres Lebens. Das ist sehr besonders“, sagt auch Sarah Reinhardt. Als Kaplan Jan Aleff sie auf die Möglichkeit und den Kurs angesprochen habe, sei sie zunächst perplex gewesen. Sie informierte sich weiter im Internet und beschäftigte sich mit dem Gedanken. „Ich habe das Thema Tod immer vermieden, aber je tiefer ich in das Thema eingestiegen bin, desto mehr war ich überzeugt, dass es für mich eine Option ist, und zwar eine, an der ich wachsen kann zu mehr“, beschreibt sie ihren Entscheidungsprozess. Ihr ist es, wie den anderen, auch ein Anliegen, weiteren Generationen die Möglichkeit einer christlichen Bestattung zu geben. „Ich möchte mit unserem christlichen Glauben der österlichen Botschaft der Auferstehung den Menschen Hoffnung geben. Auch, wenn viele es vielleicht nicht verstehen“, sagt die Verbundleiterin.
Insgesamt erleben die vier Beerdigungsleiterinnen, dass sich die Bestattungskultur verändert hat. „Häufig wird ein Grabgang gewünscht. Dazu treffen wir uns auf dem Friedhof und begleiten den Verstorbenen zum Grab. Dort findet dann eine kleine Andacht statt“, erläutert Monika Pape. Wichtig sei es, dass die Menschen sich in der Feier wiederfinden.
In dem Ausbildungskurs seien sie sehr gut auf ihre Aufgabe vorbereitet worden. „Für uns war es ein Gewinn, dass wir zu viert daran teilnehmen konnten. Bereits nach dem ersten Wochenende waren wir eine Einheit“, spricht Sabine Wisniewski allen aus dem Herzen. Und Angelika Mizgalski ergänzt: „Die Gruppe gibt uns Sicherheit. Wir treffen uns regelmäßig und sprechen über unsere Erfahrungen. Und wenn eine von uns Hilfe braucht, ist immer jemand da.“ Für sie sei es eine Ehre und ein Geschenk, diesen Dienst zu tun. Aber die Gruppe sei ebenso ein Geschenk.
Eines haben sich die vier Frauen noch auf die Fahne geschrieben. Sie wollen die Friedhofskultur in Recklinghausen aktiv mitgestalten und haben sich bereits andere Friedhöfe angeschaut. „Wir wünschen uns, dass Friedhöfe einladender wirken und eine Kultur des Verweilens, Gedenkens und der Begegnung schaffen“, sagt Sarah Reinhardt.
Michaela Kiepe

