ZDF überträgt Gottesdienst aus der Klosterkirche der Kapuziner in Münster

, Stadtdekanat Münster

Wenn am Sonntag, 1. März, um 9.30 Uhr im ZDF die Kameras angehen, ist es ein besonderer Moment. Erstmals überträgt das ZDF live einen katholischen Gottesdienst aus der Klosterkirche der Kapuziner in Münster. Der Messe steht Bruder Paulus Terwitte vor, der vor drei Monaten die Leitung des Klosters übernommen hat. Bereits am Vorabend um 17 Uhr findet die Generalprobe statt, zu der Interessierte eingeladen sind.
 

Bruder Paulus Terwitte in der Klosterkirche der Kapuziner in Münster. Von dort überträgt das ZDF am Sonntag, 1. März, um 9.30 Uhr live einen Gottesdienst.

© Bistum Münster

Für Bruder Paulus ist es nicht die erste Fernseherfahrung. „Ich glaube, es ist das fünfte Mal“, sagt er mit einem Schmunzeln. Die erste Übertragung liege etwa 20 Jahre zurück. Auch während der Corona-Zeit habe es mehrere Fernsehgottesdienste gegeben. Entsprechend gelassen geht der Kapuziner die Aufgabe an. Die Routine helfe – auch wenn eine Live-Übertragung stets besondere Konzentration verlange. Bruder Paulus ist einer der bekanntesten Kapuziner Deutschlands. Seit Jahren tritt er in Talkshows, Radiosendungen und in den sozialen Medien erkennbar als Ordensmann in Erscheinung.

Der Gottesdienst steht inhaltlich unter dem Leitwort der Verklärung Christi. Bruder Paulus möchte mit der Gemeinde und den Fernsehzuschauerinnen und -zuschauern feiern, „dass wir im Lichte Gottes leben – und dieses Licht niemals ausgeknipst wird“. Gerade in einer Zeit, die viele als unsicher erleben, verstehe sich die Gemeinschaft der Kapuziner als „Hoffnungsgemeinschaft“.

Bruder Paulus: “Wir haben noch etwas vor: Hoffnung ausstrahlen”

Zugleich fällt die Übertragung in ein besonderes Gedenkjahr: Vor 800 Jahren starb der Ordensgründer Franz von Assisi der Franziskaner, aus denen der Kapuzinerorden entstanden ist. Die Begeisterung für seine Lebensform sei jedoch ungebrochen, betont Bruder Paulus. „Sonst würden wir das hier nicht tun.“ Das Kloster in Münster wolle auch künftig geistlicher Ort bleiben – trotz veränderter Aufgaben als Tagungs- und Gästehaus. Die Fernsehübertragung sei eine Gelegenheit zu zeigen, „dass wir Kapuziner noch etwas vorhaben: Hoffnung auszustrahlen“.

Hinter der 45-minütigen Live-Sendung steht ein großer organisatorischer Aufwand. Mehr als 30 Mitarbeitende sind an der Produktion beteiligt, mit Gemeinde und Mitwirkenden sind es etwa 45 bis 50 Personen. Vier Kameras kommen zum Einsatz. „Das Ziel ist, bis zum Übertragungswochenende ein fertiges Drehbuch zu haben“, erklärt Martin Korden von der Katholischen Fernseharbeit, der die Übertragung redaktionell begleitet. Jeder Ablauf, jedes Lied und jeder Text – alles wird im Vorfeld abgestimmt und „fast auf die Sekunde genau geplant“. Dennoch solle der Gottesdienst so natürlich wie möglich wirken. „Wichtig ist, dass wir die Abläufe und den Umgang mit der Kamera so einüben, dass wir den Mitfeiernden zuhause eine würdige Feier in der vorgegebenen Zeit ermöglichen“, weiß Korden. 

15 Ehrenamtliche übernehmen Telefondienst 

Das Fernsehteam reist am Donnerstag an. Nach technischen Aufbauten und internen Proben folgt am Samstag um 17 Uhr die Generalprobe, die öffentlich mitgefeiert werden kann. Am Sonntagmorgen wird es dann ernst: Um 9.30 Uhr beginnt die Live-Übertragung. Wer vor Ort am Gottesdienst in der Kapuzinerkirche teilnehmen möchte, muss bis 9 Uhr in der Kirche sein, dann werden die letzten Instruktionen gegeben und das Einsingen beginnt. 

Für die Mitfeiernden in der Kirche ist ein Fernsehgottesdienst eine ungewohnte Situation. Kameras fahren durch die Gänge, Scheinwerfer tauchen den Raum in helles Licht, Abläufe sind straff getaktet. „Alles läuft sehr konzentriert und zügig ab“, beschreibt Bruder Paulus. Zugleich sei es ein „Werk der Nächstenliebe“, an der Gestaltung mitzuwirken – im Wissen darum, dass mehr als eine Million Menschen bundesweit mitfeiern.

Nach der Übertragung ist ein Telefonteam erreichbar. 15 Ehrenamtliche – Mitbrüder und Freunde des Klosters – nehmen Anrufe entgegen, hören zu und kommen mit Zuschauerinnen und Zuschauern ins Gespräch. Auch dieser Dienst wird im Vorfeld eigens vorbereitet. Musikalisch gestaltet wird der Gottesdienst von Organist Marius Jacoby und Kantorin Bettina Böhmer. Die Feier folgt einer schlichten, kapuzinischen Liturgieform – passend zur Fastenzeit. „Wir machen das so, wie wir es können“, sagt Bruder Paulus. Und doch mit einer besonderen Einladung: „Kommen Sie und feiern Sie mit uns.“

Ann-Christin Ladermann