
Moderatorin Laura Tietzel begrüßte die mehr als 160 Teilnehmenden beim Startklar!-Tag für Pfarreiräte.
© Offizialat Vechta/Johannes Hörnemann
Prof. Dr. Paul Zulehner referierte über eine Zeitenwende in der katholischen Kirche.
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Er ging in den direkten Diskurs über Mission, die Sozialgestalt und zukunftsfähigkeit der Kirche: Prof. Dr. Zulehner in der katholischen Akademie Stapelfeld.
© Offizialat Vechta/Johannes HörnemannDr. Markus Wonka, im Bischöflich Münsterschen Offizialat für die Themen Seelsorge und Seelsorge-Personal verantwortlich, gab in seinem Vortrag einen Rückblick auf die bisherigen Schritte und den aktuellen Stand zur Kirchenentwicklung im Oldenburger Land. Zudem hatte er aktuelle Zahlen aus der kirchlichen Statistik mitgebracht. „Wir werden weniger,“ sagte er eindeutig. Wichtig sei es ihm, die Entwicklung der Pastoralen Räume nicht nur als Antwort auf die geringer werdenden Zahlen zu verstehen. „Pastorale Räume sind im Grunde eine Arbeitsweise, ein Kulturwandel, sie bieten Chancen“ erklärte er.
Im Bereich der Seelsorge rechne man in den nächsten 4-5 Jahren noch mit einer gewissen Stabilität. „Dann werden wir uns auf Veränderungen einstellen müssen,“ stellte der Theologe fest. „Entscheidend sei dabei die Frage, ob das als Chance oder als Verlusterfahrung wahrgenommen wird.“ Im Bistum Münster betreibe man Kirchenentwicklung, um die „Kirche im Dorf zu lassen.“ Es gehe nicht darum, alle Angebote zu zentralisieren, sondern über eigene Pfarrgrenzen hinweg zusammen zu arbeiten. „Wir ermutigen dazu, nicht den Abgesang einzustimmen, sondern die Kirche mit Engagement in die Zukunft zu entwickeln,“ unterstrich Wonka. Er überbrachte herzliche Grüße von Weihbischof Wilfried Theising: Der Offizial freue sich außerordentlich über die große Zahl an Gremienmitgliedern, die sich vor Ort engagieren. Er hoffe darauf, dass Pfarreien und Offizialat in den nächsten Jahren gemeinsam die Dinge entwickeln, die anstehen.
Den Hauptvortrag des Tags der Pfarreiräte hielt Prof. DDr. Paul Zulehner. Der katholische Priester und Theologe aus Österreich war bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2008 Professor für Pastoraltheologie an der Universität Wien. Der heute 86-jährige Religionssoziologe ist ein gefragter Referent. Zulehner sprach interaktiv mit den Gremienmitgliedern über drei Schwerpunkte. Er referierte über „Jesus Mission“, die auch die Mission der Kirche heute sei, über Sozialgestalten der Kirche im Wandel und über Fördermaßnahmen, um Kirche schnell zukunftsfit zu machen. Die Aufgabe der Christen hier im Oldenburger Land sei es, Wege zu finden, es hier himmlisch zu machen, erklärte er. Er animierte zur Auseinandersetzung damit, ob die Heimatpfarreien eher eine Priesterkirche, eine Service-Kirche oder eine Taufberufungskirche seien. Die Mehrheit stufte ihre Kirchengemeinde als dienstleistungsorientiert ein. Diese sei für viele Menschen bequem, erklärte der Professor. Doch „die Dienstleistungskirche - man zahlt und wird versorgt - hat keine Zukunft,“ urteilte Zulehner. „Zukunft hat eine Glaubensgemeinschaft, die auf den Schultern aller Mitglieder liegt,“ sagte er. Die katholische Kirche entwickele sich zu einer Taufberufungskirche, sagte der Priester. Eine Kirche, in der sich die getauften Menschen durch ihre Begabungen einbrächten.
Darin sieht Zulehner auch eine Möglichkeit, schnell zukunftsfit zu werden. Es gebe genügend Berufungen in den Gemeinden. Hier brauche es „pastorale Trüffelschweine“, die diese Talente finden und wecken, erklärte er. Das alte Verständnis von Ehrenamt in der Kirche werde abgelöst. Früher habe man sich für Gott und die Menschen engagiert, weil Glaube, Gott und Kirche wichtig gewesen seien. Heute engagieren sich die Gemeindemitglieder für Gott, die Menschen und für sich selbst. „Prüfen Sie in allen pastoralen Bezügen, ob Sie den Ehrenamtlichen das Gefühl geben: Ich bin anerkannt, ich bin ermächtigt, ich werde gesehen!“, riet er den Pfarreiräten. Er riet, damit aufzuhören, den jungen Menschen Wellness zu versprechen. „Es ist nicht bequem, im Pfarreirat zu sein,“ sagte er. „Berufung ist eine Zumutung.“ Schließlich riet Zulehner zu Kirchenresilienz statt Churchshaming. „Kaufen Sie sich ein Sparschwein, stellen sie es bei jeder Gremiensitzung auf den Tisch und legen dazu die Regel fest: Wer jammert, zahlt 50 Euro,“ empfahl er und erntete großen Applaus.
Beim anschließenden Markt der Möglichkeiten konnten die Teilnehmenden mit vielen Einrichtungen aus dem Oldenburger Land und über Arbeitsfelder des Offizialates ins Gespräch kommen. Zum Beispiel gab es Informationsstände zu Fördermöglichkeiten für die Pastoral, Präventionsschulungen, Seelsorge in Kindertagesstätten, jugendpastoralen Angebote auf dem BDKJ-Jugendhof, zur Gemeindecaritas und vielem mehr.
In den vielfältigen Workshops widmeten sich die Teilnehmenden in zwei Durchgängen konkreten Fragen des Pfarreialltags. So standen Social Media, ein Intranet für den Pfarreirat, grundlegendes Handwerkszeug für die Gremienpraxis, Friedhofskultur und Trauerbegleitung, Prävention und sexualisierte Gewalt, die Baustelle Ehrenamt, Lebensweltorientierung und Sozialraum und Caritas in der Pfarrei auf dem Programm. Auch die Pfarreiratsarbeit im Pastoralen Raum wurde diskutiert. Eine Diskussionsrunde knüpfte mit Prof. Zulehner an den Fragen der „Zeitenwende in der Kirche“ an seinem Vormittagsvortrag an.
Johannes Hörnemann
