Zwischen Selbstzweifeln und Zukunftsfragen

, Stadtdekanat Münster

Prüfungsstress, Identitätsfragen, Beziehungsprobleme oder die große Frage: „Wie soll es eigentlich weitergehen?“ Die Themen, mit denen Studierende in die Beratung kommen, sind so vielfältig wie das Leben selbst. Dass sie damit nicht allein bleiben müssen, zeigt der aktuelle Jahresbericht 2025 der Pädagogischen Studienbegleitung im Bischöfliches Studierendenwerk Münster (BSW).

Leonie Engels von der Pädagogischen Studienbegleitung des Bischöflichen Studierendenwerks im Gespräch mit einer Studentin.

© Bischöfliches Studierendenwerk Münster

Mit insgesamt 233 Beratungsgesprächen und 274 Beratungsstunden für 63 Ratsuchende ist die Nachfrage im Vergleich zum Vorjahr erneut gestiegen. „Die Zahlen machen deutlich, wie wichtig ein niedrigschwelliges, vertrauliches Angebot direkt im Lebensumfeld der Studierenden ist“, sagt Leonie Engels von der Pädagogischen Studienbegleitung. „Viele kommen zunächst mit dem Gefühl, allein klarkommen zu müssen. In der Beratung erleben sie, dass es hilfreich und entlastend sein kann, die eigenen Themen gemeinsam zu sortieren.“

Das Beratungsangebot, das Leonie Engels gemeinsam mit ihrer Kollegin Dorothee Schmerling anbietet, richtet sich exklusiv an die Bewohnerinnen und Bewohner der fünf Wohnheime des BSW. Es ist kostenfrei, vertraulich und in deutscher sowie englischer Sprache möglich. Ein großer Vorteil: Alle Anfragen konnten innerhalb von vier Wochen bearbeitet werden – eine Warteliste entstand nicht.

Inhaltlich deckt die psychosoziale Beratung ein breites Spektrum ab – von Herausforderungen im Studienalltag über Beziehungsfragen bis hin zu Krankheit, Trauer oder Zukunftsplanung. Am häufigsten wurden Themen aus dem Bereich „Beratung zum Selbstkonzept“ nachgefragt (120 Beratungen). Dabei geht es um Selbstzweifel, Selbstwert, Identitätsfragen oder den Umgang mit hohen eigenen Ansprüchen. „Gerade die Studienzeit ist eine Phase intensiver persönlicher Entwicklung“, sagt Leonie Engels. „Viele Studierende setzen sich mit Erwartungen auseinander – mit denen anderer, aber auch mit den eigenen. Unser Ziel ist es, sie dabei zu unterstützen, ihre Ressourcen zu entdecken und neue Perspektiven zu entwickeln.“
 

Dorothee Schmerling bietet kunsttherapeutische Elemente in der Beratung an.

© Bischöfliches Studierendenwerk Münster

Die Beratung versteht sich als Hilfe zur Selbsthilfe – und auch als Brücke, wenn weiterführende Unterstützung notwendig ist. Im Jahr 2025 wurden mehrere Studierende über therapeutische Angebote informiert oder bei der Suche nach einem Therapieplatz begleitet. Auch die enge Zusammenarbeit mit der Katholische Studierenden- und Hochschulgemeinde Münster (KSHG) spielt dabei eine wichtige Rolle, etwa bei sozialen oder finanziellen Fragestellungen. 

Ein besonderer Akzent wurde 2025 mit der Erweiterung des Angebots um kunsttherapeutische Elemente gesetzt. Im Wohnheim Tita-Cory-Campus entstand ein Beratungsatelier, in dem kreative Prozesse Teil der Begleitung sind. „Kunsttherapie eröffnet neue Ausdrucksformen – gerade dort, wo Worte fehlen“, weiß Dorothee Schmerling, die das Angebot leitet. Der kreative Prozess ermögliche es, Gefühle und innere Konflikte sichtbar zu machen und neue Zugänge zur eigenen Lebenssituation zu finden.

Als Träger der fünf katholischen Studierendenwohnheime in Münster – das Collegium Marianum, das Fürstin-von-Gallitzin-Heim, das Liebfrauenstift, der Überwasserhof und der Tita-Cory-Campus – versteht sich das BSW nicht nur als Anbieter von Wohnraum, sondern „als Gestalter von Lebensräumen“, betont Leonie Engels. „Wir möchten Studierenden einen Raum bieten, in dem sie nicht nur wohnen, sondern wachsen können – persönlich, sozial und in ihrer eigenen Lebensgestaltung.“

Ann-Christin Ladermann