© Tanja Schröder

Barrierefreiheit in Pfarreien

Teilhabe beginnt in den Köpfen

Um Menschen mit Behinderungen Teilhabe am Gemeindeleben zu ermöglichen, muss man nicht gleich das Kirchendach abdecken. Aber es ist schon nötig, auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen zu achten und Fantasie zu entwickeln, wenn es darum geht, Barrieren aus dem Weg zu räumen.

Video-Umfrage: Wie barrierefrei ist deine Kirche?

Viele Menschen können schlecht Treppen steigen, finden keinen Platz mit dem Kinderwagen, Rollator oder Rollstuhl. Nicht nur kleine Kinder können eine schwere Kirchentür nicht allein öffnen. Für manche ist der Weg vom Parkplatz bis zur Kirche zu weit, für andere der gepflasterte Kirchplatz zu holprig. Einige beklagen sich, dass sie die Lektoren schlecht verstehen können. Viele haben Schwierigkeiten, die kleine Schrift im Gotteslob und auf dem Wochenzettel/Publikandum zu entziffern. Wenn Kirchen und Pfarrheim nur schwach beleuchtet sind, fühlen sich ältere Menschen unsicher und haben Angst, eine Schwelle oder eine Kante zu übersehen. Nicht jede/r versteht eine etwas komplizierter geratene Predigt. Bei der Kommunionkatechese fällt auf, dass einige Kinder mit den verteilten Textmappen überfordert sind. Wenn ein Rollstuhlfahrer in der Kirche unabsichtlich im Weg steht, wird er vielleicht nicht noch einmal wiederkommen, auch wenn niemand etwas sagt oder ihm "kritische" Blicke zuwirft. Wenn Eltern mit einem geistig behinderten Kind die Blicke anderer Gemeindemitglieder auf sich ziehen, weil es manchmal unruhig ist und auch schon mal vor Freude oder Ärger laut schreit, wenn jemand psychisch belastet ist und unter Ängsten leidet, wenn jemand das Gefühl hat, wegen seiner Behinderung ständig angestarrt zu werden…

Barrierefreiheit tut allen Menschen gut.
Barrierefrei ist mehr als stufenlos.
Je nach Behinderungsform gibt es sehr unterschiedliche Barrieren.
Eine umfassende Barrierefreiheit ist nicht überall und sofort zu erreichen. Ideen und Kreativität sind gefragt.

Vom kleinen zum großen Ziel:

  • Auf Barrierefreiheit achten
  • Auskunftsfähig werden
  • Alternativen aufzeigen können
  • Barrierefrei gestalten

Pfarreien, die mit den hier verfügbaren Checklisten ihre Kirchen, Pfarrheime und Pfarrbüros auf Barrieren und Barrierefreiheit durchsehen und entsprechend kennzeichnen möchten, können beim Referat Seelsorge für Menschen mit Behinderungen eine CD mit den folgenden Piktogrammen anfordern. Die Nutzung der Piktogramme ist dann für die Pfarreien kostenlos.

Die Pfarrei St. Nikolaus in Wesel hat dieses Projekt bereits durchgeführt. Die entsprechenden Informationen und den Flyer findet man unter dem Stichwort „Barrierefreiheit“ auf der Internetseite der Pfarrei www.sanktnikolaus-wesel.de und in den Videos auf dieser Seite.

Interview: Der Weg zur barrierefreien Kirche

Das Motto der Woche für das Leben 2009 Gemeinsam mit Grenzen leben hat deutlich gemacht, dass es nicht um zusätzliche Projekte und Aufgaben, sondern um den Alltag im Gemeindeleben geht. Die Belange von Menschen mit Behinderungen, die Sensibilität für Barrieren in der Seelsorge, sind eine grundsätzliche pastorale Herausforderung. Um darüber ins Gespräch zu kommen, wurde vom Referat Seelsorge für Menschen mit Behinderungen die Broschüre Gemeinsam mit Grenzen leben zusammengestellt. Fotos, kurze Impulse und Informationen zu Stichworten wie Behinderung, Barrieren, Wohnen, Lernen, Arbeiten und Gemeindeleben regen an zur Diskussion im Pfarreirat oder beim Gemeindetreff, motivieren zur Kontaktaufnahme zu Einrichtungen der Behindertenhilfe oder zu Familien mit behinderten Kindern. Denn Barrierefreiheit lässt sich nicht auf bauliche Aspekte beschränken. Barrierefreiheit beginnt in den Köpfen.

Die Broschüre Gemeinsam mit Grenzen leben gibt es als Download oder kann angefordert werden: Bischöfliches Generalvikariat, Materialdienst, Telefon: 0251 495-541, E-Mail: materialdienst[at]bistum-muenster.de.

Ansprechpartner

Martin Merkens

Leiter der Referate Krankenseelsorge und Seelsorge für Menschen mit Behinderungen

0251 495-6353

merkens[at]bistum-muenster.de