Geistlicher Missbrauch
Christsein ist ohne Gemeinschaft mit anderen Christen nicht denkbar. Dennoch kann Gemeinschaft oder ein seelsorgerischer Kontext auch unheilvoll werden, etwa wenn geistliche Vertrauensbeziehungen verletzt sowie gesunde emotionale Grenzen missbräuchlich überschritten werden. Geistlicher Machtmissbrauch kann in unterschiedlichen Schattierungen geschehen und ist nicht immer unmittelbar zu erkennen. Darum gilt es, bei möglichen Fehlentwicklungen in Gemeinschaften oder im seelsorgerischen Kontext nicht „weg-zu-schauen“, sondern genauer „hin-zu-schauen“.
Es gibt kritische Anzeichen im seelsorgerischen Kontext oder/und in Gemeinschaften, die wir hier auf einige Merkmale zusammenfassen, die zueinander in Beziehung stehen und in verschiedenen Kombinationen auftreten können:
- Abhängigkeit
- Begleitung setzt sich anstelle die Stimme Gottes
- Druck, Beschämung und Herabsetzung
- Abschottung und Isolation von anderen Beziehungen
- Elitedenken und leistungsorientierte Frömmigkeit
- Gruppenidentität statt persönlicher Identität
- Grenzverletzungen in der Geistlichen Begleitung
- Überzogenes Gehorsamskonzept
Der Missbrauch geistlicher Autorität ist ein Muster schädlicher Interaktionen innerhalb einer kirchlichen Gemeinschaft, bei dem Macht- und Autoritätsverhältnisse genutzt werden, um Betroffene zu kontrollieren und zu manipulieren. Er umfasst systemische Dynamiken wie zentrale Machtausübung, Grenzverletzungen, Abhängigkeit, ideologische Instrumentalisierung, mangelnde Rechenschaftspflicht, manipulative Kommunikation und Unterdrückung von Kritik. Missbrauch geistlicher Autorität torpediert die individuelle Autonomie und Würde, verletzt psychische oder körperliche Integrität und bleibt oft durch interne Strukturen, Schweigekultur oder externen Druck geschützt.
Eine wache geistliche Unterscheidung ist dort notwendig, wo mehrere dieser problematischen Merkmale im seelsorgerischen Kontext oder/und auf eine Gemeinschaft zutreffen oder wiederholt Menschen an ihre psychischen, mentalen und physischen Grenzen stoßen.
Geistlicher Missbrauch im Kontext von Orden, Säkularinstituten und Geistlichen Gemeinschaften
Bei Fragestellungen oder Meldungen zum Geistlichen Missbrauch im Kontext von Orden, Säkularinstituten und geistlichen Gemeinschaften wenden Sie sich bitte an Birgit Klöckner, Fon 0251 495-17200, kloeckner[at]bistum-muenster.de.
Definition
Wir arbeiten auf der Basis dieser Definition von Geistlichem Missbrauch.
Hier finden Sie einen Überblick über das Themenfeld „Geistlicher Missbrauch“, zusammengestellt vom Bistum Osnabrück.
Ansprechpersonen
Wenn Sie von Geistlichem Missbrauch betroffen sind und/oder hierzu Gesprächs-, Beratungs-oder/und Klärungsbedarf haben, können Sie sich direkt an eine unserer Ansprechpersonen wenden:
Annegret Wolf, Pastoralreferentin i.R.: wolf-an[at]bistum-muenster.de
Sr. Herbertis Lubek, Mauritzer Franziskanerin: sr.herbertis[at]franziskanerinnen-muenster.de
Um Ihr Anliegen weiter bearbeiten und klären zu können, können entsprechende Unterlagen an die Koordinierungsinstanz und gegebenenfalls die Clearingstelle weitergeleitet werden. Dies erfolgt nicht ohne Ihr schriftliches Einverständnis (PDF-Datei zum Herunterladen und Ausfüllen).
Fallbearbeitung
Der Ablauf einer Fallbearbeitung sowie die beteiligten Instanzen (Ansprechpersonen, Koordinierungsinstanz und Clearingstelle) sind in der „Ordnung zum Machtmissbrauch im Umfeld geistlich-seelsorglicher Begleitung im Bistum Münster“ festgehalten.
Zusätzlich oder alternativ können Sie sich auch an folgende Personen wenden:
Anlaufstelle „Gegen Gewalt in Kirche“ der Deutschen Bischofskonferenz
Pfarrer Hermann Backhaus, Centro – Psychologische Begleitung für Menschen im Dienst der Kirche
Christel Plenter, Geschäftsführung Stabstelle Intervention und Prävention sexualisierter Gewalt, Kontaktdaten siehe unten