Leistungen in Anerkennung des Leids

Viele von (sexueller) Gewalt betroffene Menschen leiden über Jahrzehnte an den Folgen dieser Übergriffe. Ein Weg, wenigstens in Ansätzen dieses Leid zu mindern, ist die Gewährung von Leistungen in Anerkennung des Leids. 

Das erweiterte Verfahren zu Leistungen in Anerkennung des Leids, das Betroffenen sexuellen Missbrauchs zugefügt wurde, ist zum 1. Januar 2021 im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz auf Beschluss der deutschen Bischöfe eingerichtet worden.
Für das Bistum Münster hat Bischof Dr. Felix Genn die Ordnung für das Verfahren auf Anerkennung des Leids zum 1. Januar 2021 in Kraft gesetzt: "Durch die materiellen Leistungen soll gegenüber den Betroffenen zum Ausduck gebracht werden, dass die deutschen Bistümer Verantwortung für erlittenes Unrecht und Leid übernehmen" (Auszug aus der Präambel).

Die Anträge auf Anerkennung des Leids werden von der  Unabhängigen Kommission für Anerkennungsleistungen (UKA) entgegengenommen und bewertet. Die UKA entscheidet schließlich auch über die Höhe der Leistungen.

Einblick in die Arbeit des UKA-Gremiums gibt die Vorsitzende Margarete Reske in diesem Interview: "Wie beschleunigen Sie Anerkennungs-Verfahren nach Missbrauch, Frau Reske?"

Informationen und Formulare zum Antragsverfahren

Erstanträge ab Januar 2021: Informationen und Formulare

Der Antrag auf Anerkennung des Leids kann nicht nur die Anerkennungszahlung, sondern auch die Übernahme von Therapiekosten enthalten.

Die Formulare für eine Beantragung der Leistungen finden Sie hier:

Technischer Hinweis zum Ausfüllen am Computer: Die bundesweit einheitlichen Unterlagen wurden uns vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz zur Verfügung gestellt. Die Schriftgröße in den einzelnen Eingabefeldern des Formulars passt sich automatisch der eingegebenen Textmenge an. Jedoch können bei der Nutzung des Firefox-Browsers Probleme bei der Eingabe auftreten. Wir empfehlen daher, die Formulare in den Browsern Google Chrome oder Microsoft Edge auszufüllen.

Wenn Sie den Antrag nicht am Computer ausfüllen möchten, nutzen Sie bitte das

Antragstellenden Personen fällt es nach den bisherigen Erfahrungen oftmals schwer, die eigene Missbrauchserfahrung noch einmal schriftlich darzulegen. Sollten Sie Hilfe beim Ausfüllen der Unterlagen benötigen, wenden Sie sich gern an die Unabhängige Ansprechperson Bardo Schaffner, 0151 438 16695.
Konkrete Unterstützung beim Ausfüllen des Antrags können Sie auch erfragen bei den unabhängigen Beratungsstellen

Mit beiden Beratungsstellen hat das Bistum Münster Kooperationsvereinbarungen abgeschlossen, Kosten fallen für Betroffene nicht an.

Ausgefüllte Anträge senden Sie bitte an:

Interventionsbeauftragter
Bistum Münster
- persönlich -
Horsteberg 11
48143 Münster

Der Interventionsbeauftragte wird den Antrag an die Geschäftsstelle der Unabhängigen Kommission für Anerkennungsleistungen (UKA) weiterleiten.

Erneute Beantragung bei bereits vor dem 1. Januar 2021 abgeschlossenen Verfahren: Informationen und Formulare

Entsprechend der Neuregelung ab Januar 2021 (siehe Ziffer 10 der Ordnung für das Verfahren auf Anerkennung des Leids) besteht die Möglichkeit, dass von sexuellem Missbrauch Betroffene, in deren Fällen das Verfahren zur Anerkennung des Leids bereits abgeschlossen ist, erneut einen Antrag stellen können.

Technischer Hinweis zum Ausfüllen am Computer: Die bundesweit einheitlichen Unterlagen wurden uns vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz zur Verfügung gestellt. Die Schriftgröße in den einzelnen Eingabefeldern des Formulars passt sich automatisch der eingegebenen Textmenge an. Jedoch können bei der Nutzung des Firefox-Browsers Probleme bei der Eingabe auftreten. Wir empfehlen daher zum Ausfüllen die Benutzung der Browser Google Chrome oder Microsoft Edge. Im Zweifelsfall testen Sie dies bitte zunächst oder nutzen Sie direkt das handschriftliche Antragsformular. Vielen Dank!

Das Bistum Münster möchte Betroffenen sexuellen Missbrauchs seelische Belastungen ersparen, die entstehen können, wenn sie erneut einen Antrag stellen, um von der katholischen Kirche weitere Zahlungen in Anerkennung ihres Leids zu erhalten. Sollten Sie nach einem bereits abgeschlossenen Verfahren Unterstützung bei der erneuten Beantragung benötigen, wenden Sie sich bitte an den Interventionsbauftragten im Bistum Münster, Peter Frings.

Anrechnung auf Sozialleistungen

Leistungen in Anerkennung des Leids sollen den Menschen, die von sexuellem Missbrauch betroffen sind oder waren, möglichst vollständig zugutekommen. Insbesondere bei Personen, die (ergänzende) Sozialleistungen – z. B. nach SGB II oder SGB XII – erhalten, kann dies eventuell zu Problemen führen.

Steuer- und sozialrechtliche Informationen zu Leistungen in Anerkennungen des Leids finden Sie in dem Informationsblatt (Stand: 19. August 2021), das die Unabhängige Kommission für Anerkennungsleistungen (UKA) herausgegeben hat. 

Weitere Hinweise enthält auch die Wissensdatenbank SGB II der Bundesagentur für Arbeit.

Zudem gibt es eine Entscheidung des Bundesgerichtshofes (BGH), die Betroffene bei entsprechenden Schwierigkeiten gegenüber den Behörden heranziehen können:
Unpfändbarkeit der kirchlichen Missbrauchsentschädigung – BGH Beschl. v. 22.05.2014 – IX ZB 72/12

Betroffene, für die sich in diesem Zusammenhang Probleme ergeben, können sich gerne bei dem Interventionsbeauftragten des Bistums Münster, dem Juristen Peter Frings, melden.

Meldung an das Finanzamt

Das Bistum Münster ist aufgrund der geltenden Rechtslage verpflichtet, dem Finanzamt Münster-Innenstadt schriftlich mitzuteilen, wer Empfänger einer Anerkennungszahlung ist. Das gilt unabhängig von der Höhe der geleisteten Zahlung. Die Mitteilung umfasst die Angabe des Namens, der Anschrift und – sofern bekannt – des Geburtsdatums sowie des ausgezahlten Betrags.

Die Mitteilungen gehen an die Dienststellenleitung „persönlich“ und werden im Finanzamt in einem separaten Ordner abgeheftet. Sie werden nach den dem Bistum Münster vorliegenden Hinweisen nicht gespeichert, einzelne Sachbearbeiter des Finanzamtes haben keinen Zugriff auf diese Akte.

Übernahme von Therapiekosten

Für von sexuellem Missbrauch betroffene Menschen ist es oftmals hilfreich, eine therapeutische Begleitung zu erhalten. In vielen Fällen wird eine solche Therapie von der jeweiligen Krankenkasse finanziert.

Darüber hinaus ist es angezeigt, dass auch von der Kirche weitergehende, ergänzende Therapien (mit-)finanziert werden. Ob und in welchem Umfang dies erfolgt, ist eine Entscheidung des jeweiligen Bistums – anders als die Entscheidung über die zu gewährenden Leistungen in Anerkennung des Leids.

Um für das Bistum Münster ein möglichst transparentes und grundsätzlich einheitliches Vorgehen zu schaffen, hat der Ständige Beraterstab des Bischofs ein Standardverfahren bei der Übernahme von Therapiekosten beschrieben.
Betroffene, die therapeutische Maßnahmen in Anspruch nehmen möchten, werden gebeten, diese Verfahrenshinweise den jeweiligen Therapeuten/-innen vorzulegen.
Die Beschreibung des Standardverfahrens finden Sie auch hier als PDF zum Download.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte unmittelbar an den Interventionsbeauftragten im Bistum Münster, Peter Frings.

Unterstützung durch unabhängige Beratung(sstellen)

Für Menschen, die von sexueller Gewalt betroffen sind, ist es oftmals sehr schwierig oder sogar unmöglich, sich selber an die Organisation – beispielsweise die Kirche – zu wenden, in deren Rahmen es zu dem Missbrauch gekommen ist. Daher hat das Bistum Münster mit aktuell zwei unabhängigen Beratungsstellen Kooperationsvereinbarungen abgeschlossen. So können sich von sexuellem Missbrauch im kirchlichen Kontext betroffene Menschen unmittelbar bei diesen Beratungsstellen melden, um sich dort – auf Wunsch auch anonym – beraten zu lassen. Zugleich unterstützen die Beratungsstellen Betroffene dabei, einen Antrag auf Leistungen in Anerkennung des Leids zu stellen. 

Die Beratungs- und Unterstützungsleistungen sind für die Betroffenen kostenfrei. Die Beratungsstellen rechnen die von ihnen erbrachten Leistungen unmittelbar mit dem Bistum Münster ab. Das gilt auch für Fälle der anonymen Beratung.

Aktuell bestehen Kooperationsvereinbarungen mit

Ansprechpartner

Stephan Baumers

Weisungsunabhängiger Stellv. Interventionsbeauftragter

0251 495-6029

baumers[at]bistum-muenster.de