Sexueller Missbrauch in der Katholischen Kirche

Informationen für Betroffene

Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch Priester, Ordensleute oder andere kirchliche Mitarbeiter ist ein Thema, das die Katholische Kirche nicht erst seit 2010 beschäftigt. Allerdings hat seitdem ein deutlicher Perspektiv- und Paradigmenwechsel stattgefunden. Im Vordergrund steht der Blick auf das Leid der Betroffenen. Es gilt, dass man ihnen grundsätzlich glaubt, sie müssen keine Beweise für die Tat vorlegen. Lediglich die Plausibilität ihres Tatberichts wird abgefragt. Eine Kultur der Achtsamkeit etabliert sich allmählich. 

Seit 2010 hat es zahlreiche Maßnahmen gegeben, um den sexuellen Missbrauch aufzuarbeiten und zukünftig soweit wie möglich zu verhindern. Die Deutsche Bischofskonferenz hat Leitlinien für den Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs entwickelt, zugleich wurden intensive Präventionmaßnahmen aufgelegt.

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Beratungstelefon und Onlineberatung für Betroffene

Beratung für Betroffene von sexualisierter Gewalt

Telefonseelsorge: 0800 / 111 0 111 oder 0800 / 111 0 222 (www.telefonseelsorge.de)

Internetberatung: www.hilfe-nach-missbrauch.de

Hilfeportal Sexueller Missbrauch des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs: www.hilfeportal-missbrauch.de

Hilfetelefon „Sexueller Missbrauch“: 0800 / 22 555 30

Prävention

Augen auf! – Hinsehen und Schützen.

Unter diese Überschrift hat das Bistum seit 2011 seinen Einsatz und die Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt gestellt. Seitdem ist eine Menge geschehen. Zahlreiche Ehren- und Hauptamtliche haben sich in Schulungen intensiv mit dem Thema befasst; eine große Gruppe von Schulungsreferentinnen und -referenten wurde ausgebildet und viele Pfarreien, Verbände und Einrichtungen haben begonnen, Institutionelle Schutzkonzepte zu entwickeln.

Einen ersten Überblick über unsere Anstrengungen im Bereich der Präventionsarbeit gibt es auf dieser Seite. Für weitergehende Informationen empfehlen wir Ihnen die Website www.praevention-im-bistum-muenster.de.

Ansprechpersonen für Verfahren bei Fällen sexuellen Missbrauchs

Die Juristin Bernadette Böcker-Kock und der Pädagoge Bardo Schaffner sind im Bistum Münster die Ansprechpersonen für Verfahren bei Fällen sexuellen Missbrauchs durch Priester, Ordensleute oder andere kirchliche Mitarbeiter im Bistum Münster.

Wer von sexuellem Missbrauch durch kirchliche Mitarbeiter im Bistum Münster Kenntnis erhält, sollte sich an die Ansprechpersonen wenden. Diese sind wie folgt zu erreichen:

  • Bernadette Böcker-Kock: 0151-63404738
  • Bardo Schaffner: 0151-43816695

Die Ansprechpersonen werden sich, wenn ihnen Mitteilungen gemacht werden, entsprechend der Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz für den Umgang mit sexuellem Missbrauch verhalten.

In den Leitlinien heißt es unter anderem:

"Opfer sexuellen Missbrauchs bedürfen besonderer Achtsamkeit. Sie müssen vor weiterer sexueller Gewalt geschützt werden. Ihnen und ihren Angehörigen müssen bei der Aufarbeitung von Missbrauchserfahrungen Unterstützung und Begleitung angeboten werden. Sexueller Missbrauch, vor allem an Kindern und Jugendlichen sowie an erwachsenen Schutzbefohlenen ist eine verabscheuungswürdige Tat. Gerade wenn Kleriker, Ordensangehörige oder sonstige Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter der Kirche solche begehen, erschüttert dies nicht selten bei den Opfern und ihren Angehörigen – neben den möglichen schweren psychischen Schädigungen – zugleich auch das Grundvertrauen in Gott und die Menschen. Die Täter fügen der Glaubwürdigkeit der Kirche und ihrer Sendung schweren Schaden zu. Es ist ihre Pflicht, sich ihrer Verantwortung zu stellen."

Bischof Dr. Felix Genn

Bischof Dr. Felix Genn

Bischof Dr. Felix Genn im August 2018 zum Thema Missbrauch:

"Wir sprechen im Blick auf die Markenentwicklung in unserem Bistum viel von Vertrauen und Beziehung. Es gibt kein Verhalten, durch das Vertrauen schändlicher zerstört wird als durch sexuellen Missbrauch und dadurch, dass dieses widerwärtige Verbrechen auch von kirchlichen Verantwortlichen zu leicht übergangen und auch vertuscht wurde und wird.

Natürlich ist es gut und wichtig, dass wir uns hierfür bei den Opfern entschuldigen. Bei allem, was wir tun, müssen die Opfer im Mittelpunkt stehen: Was können wir für sie tun? Wie können wir angesichts des unvorstellbaren Leids, das Priester und andere Menschen der Kirche ihnen zugefügt haben, alles uns Mögliche tun, die Verbrecher zur Rechenschaft zu ziehen? Und schließlich: Welche Maßnahmen müssen wir ergreifen, um möglichst zu verhindern, dass es weitere Opfer gibt?

Von daher ist es gut und wichtig, dass wir eine Haltung der Nulltoleranz gegenüber dem Verbrechen des sexuellen Missbrauchs nicht nur formulieren, sondern umsetzen. Natürlich ist es gut und wichtig, dass wir so intensiv wie keine andere Institution in Deutschland Präventionsarbeit betreiben. Natürlich ist es gut und wichtig, dass das Thema „Sexualität“ in der Priesterausbildung eine große Rolle spielt und dass wir Priester haben, die sich ihrer Sexualität bewusst sind. Das alles ist – wie gesagt – gut und wichtig. Wir dürfen aber dabei nicht stehen bleiben.

Papst Franziskus hat zurecht beklagt, dass sexueller Missbrauch in der Kirche durch die Haltung des Klerikalismus begünstigt und gedeckt wird. In der Konsequenz muss das heißen, dass wir uns von einem solchen Klerikalismus verabschieden. Das wird dazu führen, dass Priester und auch Bischöfe in der katholischen Kirche an vielen Stellen Macht und Einfluss abgeben und dass wir zu einem neuen Verhältnis von Laien und Priestern, von Haupt- und Ehrenamtlichen, von Männern und Frauen in der katholischen Kirche kommen müssen. Wie das konkret aussehen wird, kann ich Ihnen heute nicht sagen. Ich bin aber davon überzeugt: Wir brauchen Veränderungen."

Symbolbild zum Thema Sexueller Missbrauch

Fragen und Antworten zur Missbrauchsstudie

Wie war die Studie aufgebaut und welche Konsequenzen folgen nun? Diese und weitere Fragen und die Antworten darauf hat die Deutsche Bischofskonferenz zusammengestellt. Wir dokumentieren Auszüge.

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Der "mahnende Mühlstein"

Der "mahnende Mühlstein"

Zwei Kunstwerke werden ab dem 26. September 2018 im und am St.-Paulus-Dom auf das Leid der Betroffenen von sexuellem Missbrauch und Gewalt aufmerksam machen: Der "Mahnende Mühlstein" und die Plastik "Der Fluch".

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