© Adobe Stock

Liebe in stürmischen Zeiten

Der Praxistag am 7. Oktober von 9:30 Uhr bis 16 Uhr im KönzgenHaus, Haltern am See, möchte ein Forum für eine offene Diskussion in diesen stürmischen Zeiten bieten. Ausgangspunkt ist die Frage, ob ein  „Segen für alle“ möglich ist?  Inwieweit geben die Theologie und der Synodale Weg Antworten, ob allen Partnerschaften diese Zusage gemacht werden kann, und wie das „Gute Zusagen“ in der Praxis, für alle Paare, aussehen kann? In Workshops sollen dazu Beispiele vorgestellt werden und praxisnahe gemeinsame Ideen entwickelt werden.

Die Beziehungs-Welt ist bunt, vielfältig, divers geworden: Wir erleben im privaten und beruflichen Umfeld Paare, die sich auf die Ehe vorbereiten oder schon lange in einer Ehe leben. Wir begegnen lesbischen und schwulen Paaren und solchen, die geschieden und wiederverheiratet sind.

All diese Paare erleben stürmische Zeiten in ihrer eigenen Lebensgeschichte, schöne und anstrengende, mit vielen Fragen, Hoffnungen, Umbrüchen und Herausforderungen. Auch im gesellschaftlichen und kirchlichen Kontext bestimmen Paare ihre Position, ihre Zufriedenheit und ihren Selbstwert immer wieder neu.

Manche sehen sich mit der Frage konfrontiert, wie sie ihre Beziehung mit ihrem Katholisch-Sein und den Bedingungen in der Institution Kirche vereinbaren können. Sie wünschen sich Unterstützung, Zeichen und Rituale, die ihre Liebe – über den Valentinstag oder das Ehejubiläum hinaus – wertschätzen und würdigen. Nicht zuletzt müssen pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre eigene Position finden, Wege der Begleitung für alle Lebensgemeinschaften aufzeigen und zugleich ihre Loyalität gegenüber der Kirche wahren.
Der Praxistag bietet ein Forum für eine offene Diskussion in diesen stürmischen Zeiten.

Ausgangspunkt ist die Frage, ob ein „Segen für alle“ möglich ist? Inwieweit geben die Theologie und der Synodale Weg Antworten, ob allen Partnerschaften diese Zusage gemacht werden kann und wie das „Gute Zusagen“ für alle Paare aussehen kann. Wie geht die Kirche in Beratung, Bildung und Pastoral mit dem Spannungsverhältnis zwischen gesellschaftlicher Realität von Paaren und Partnerschaften und kirchlichen Traditionen und Vorgaben um?

In Workshops werden Beispiele und Informationen vorgestellt und praxisnahe Ideen entwickelt.

Programm

  • 9 Uhr - Ankommen
     
  • 9.30 Uhr - Anfang
    Grußworte von Maria Bubenitschek,
    Leiterin Hauptabteilung Seelsorge, Bischöfliches Generalvikariat Münster
     
  • 10 Uhr - Annäherungen
    Lauter Fragen …
     
  • 10.30 Uhr - Herausfordernd
    Segen für alle – auch in herausfordernden Zeiten und Situationen
    Fragen und Antworten aus der Theologie
    Prof. Julia Knop, Dogmatik,  Erfurt
    Auf die Frage eines ungenannten Zweiflers, ob die Kirche die Vollmacht habe, homosexuelle Paare zu segnen, antwortete die Glaubenskongregation im Frühjahr 2021 kurz und knapp: Nein. Der Widerspruch kam prompt und vielstimmig aus Theologie und Kirche, theoretisch und praktisch: Doch – denn wir sehen die Kirche nicht in der Vollmacht, Segen zu verweigern. Wie begründet die römisch-katholische Kirche ihre offiziellen Vorbehalte gegenüber Liebe und Sexualität, Partnerschaft und Familie, die nicht dem traditionellen Modell der heterosexuellen Ehe folgen? Woher rührt diese Sorge, homosexuelle Liebe gutzuheißen, ihr Gutes zuzusagen, Segen zuzusprechen? Im Hintergrund stehen alte Konzepte vom Menschen und von Sexualität, die nicht mehr in unsere Zeit zu passen, Lebenswirklichkeit nicht zu erreichen scheinen. Sie zeichnen schwarz-weiß, wo das Leben bunt ist, und suggerieren Eindeutigkeit, wo die Wirklichkeit vielgestaltig ist. Könnte nicht auch Kirche gewinnen – Glaubwürdigkeit, Lebensnähe, Integrität – wenn sie beherzt zustimmte, dass Liebe gewinnt?
     
  • 11.15 Uhr - Reflexion
    Rückmeldung und Diskussion
     
  • 12 Uhr - Geistlich
    Mittagsgebet
     
  • 12.15 Uhr - Mittagessen
     
  • 13.15 Uhr - Zum Lachen
    Kabarett mit Ulrike Böhmer
    Ulrike Böhmer überzeugt in ihrer Paraderolle als Erna Schabiewsky mit rotem Kostüm und schickem Hut. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund – auch nicht, wenn es um Partnerschaft und Liebe geht. Sie kennt sich aus: sei es bei ihrer Freundin Hilde, die ausgerechnet in Rom die Liebe wiederfindet oder bei ihrem Herbert, der sie
    manchmal an den Rand des Wahnsinns treibt.
     
  • 13.45 Uhr - Vertiefung
    Workshops für die Praxis (Anmeldung während der Tagung)
  1. Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Partnerschaft und Sexualität
    Erfahrungen und Impulse auf dem synodalen Weg
    Eine Woche nach der zweiten Vollversammlung des synodalen Weges sollen die Texte und der Prozess im Synodalforum IV angeschaut und bearbeitet werden. Welche Konsequenzen ergeben sich für die pastorale Praxis, welche Impulse braucht der synodale Weg aus der pastoralen Praxis?
    Ulrich Hoffmann, Synodaler und Mitglied im Synodalforum IV; Präsident des Familienbundes der Katholiken;  Ehe- und Familienseelsorger und Ehe-, Familien- und Lebensberater im Bistum Augsburg
     
  2. Jeder Mensch ist divers!
    Wege zu einer realistischen LSBTI*-Pastoral.
    Wenn über Homosexualität oder quere Identitäten gesprochen wird, dann oftmals in der eher distanzierenden dritten Person. Dabei lernen wir das Einfühlen in andere Menschen erst, wenn wir zunächst in der ersten Person Singular reflektieren. Nach einer kurzen persönlichen Besinnung werden die Identitäten, die hinter den Abkürzungen L-S-B-T-I-* stehen, im Zusammenhang von katholischer Dogmatik, Moraltheologie und Kirchenrecht erläutert und seelsorgliche Umgangsweisen miteinander diskutiert.
    Dr. Andreas Heek, Theologe, Ehe-, Familien- und Lebensberater (Master of Counseling), Leiter der Arbeitsstelle Männerseelsorge und Männerarbeit in den deutschen Diözesen e.V. und Koordinator der Arbeitsgemeinschaft der LSBTI*-Pastoral in den deutschen Diözesen e.V.
     
  3. „Liebe ist Leben – Leben soll Liebe sein“
    Paarspiritualität
    Erfahrungs- und Vertiefungswege Paaren aufzeigen, wie sie in der Verbundenheit mit dem göttlichen Geist die Liebe miteinander leben können. Spirituelle Grundlagen aus Bibel und Theologie, Elemente eines Kurses zur Paarspiritualität, die in der Partnerschaft die „Kraft der Liebe kultivieren“ (AL 119) helfen sollen, und Veranstaltungsformate wie z.B. Filmexerzitien kommen zur Sprache.
    Martin Bartsch, Pastoralreferent und geistlicher Mentor für Lehramtsstudierende der Theologie an die Uni Köln, davor über elf Jahre Referent für Ehe- und Familienpastoral im Erzbistum Köln
     
  4. Reden hilft
    Paarkommunikation in Krisenzeiten
    Die Art und Weise wie Paare miteinander reden, beeinflusst die Beziehung und das Erleben von Zufriedenheit und gegenseitiger Stärkung. Dieser Workshop gibt Einblicke in praktische und fachliche Erkenntnisse und Hilfestellungen, wie Paargespräche in herausfordernden Zeiten gelingen können.
    Petra Küpers, Dipl. Religionspädagogin, EFL-Beraterin, KOMKOM-Trainerin
    Ulla Büssing-Markert, Dipl. Religionspädagogin, Pastoralreferentin, EFL-Beraterin
     
  5. Was hält Paare zusammen ... in Filmen, Büchern, Kunst und Liedern?
    Gute Kunst erzeugt nicht nur ein Gefühl sondern Narrative.
    Über die Liebe an sich kann man nichts genaues sagen … aber über die Vorstellungen, was sie denn sein mag und wie sie sich in Paarbeziehungen (Intimsysteme) verwirklicht, findet man viele Beschreibungen in Kunst, Literatur, Musik und Filmen etc.. Diese Erzählungen bieten zahlreiche Hinweise, woran sich Paare in ihrem Zusammensein orientieren, welche Vorstellungen und Ideale sie in ihrer Beziehungsgestaltung beeinflussen. Manche Narrative ermöglichen darüber hinaus einen irritierenden Blick auf gängige Vorstellungen von „gelingendem Zusammensein“, der neue Perspektiven auf den eigene Beziehungsalltag ermöglicht.
    Wir werden entlang dieser Erzählungen und Bilder von Liebe, Krisen und Lösungen überlegen, welche Übertragungen auf die eigene Arbeit und die persönliche Haltung zum großen Themen „Intimsysteme begleiten“ wirksam sind.
    Patrick Schoden, Systemischer Supervisor, Berater und Mediator (SG), Künstler
  • 15.30  Uhr - Reflexion und Ende der Veranstaltung

Ansprechpartnerin

Eva Polednitschek-Kowallick

Leiterin des Referats Ehe- und Familienseelsorge

0251 495-468

polednitschek[at]bistum-muenster.de