Ökumenischer Studientag zu nachhaltigen Friedensbemühungen

, Kreisdekanat Warendorf

Lange vor dem Angriffskrieg auf die Ukraine geplant, stand der ökumenische Studientag zum Thema „Frieden, Sicherheit, Gerechtigkeit neu denken“ am 4. Mai in Warendorf dennoch ganz im Zeichen der Geschehnisse im Osten Europas. „Wie schaffen wir es, Konflikte auf zivile Weise zu lösen und nachhaltigen Frieden zu sichern?“ Diese Frage stand über dem Studientag, zu dem das Katholische Bildungsforum im Kreisdekanat Warendorf zusammen mit Kooperationspartnern, darunter die Fachstelle Weltkirche im Bistum Münster eingeladen hatte. 

Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins

© Sebastian Aperdannier

Geld in nachhaltige Entwicklungen stecken statt in militärische Einrichtungen – das ist das Ziel der Szenarien, die das Projekt „Sicherheit neu denken“ entwirft. Ralf Becker, Projektkoordinator der bundesweiten ökumenischen Initiative der Evangelischen Landeskirche in Baden, informierte die vor Ort und über das Internet Teilnehmenden über das 2018 erschienene Papier „Sicherheit neu denken“, das den Weg der militärischen Sicherheitspolitik hin zu zivilen Lösungen skizziert. Darin werden fünf Punkte einer zivilen Sicherheitspolitik beschrieben, mit dem Ziel, bis 2040 die deutscher (Außen-)Sicherheitspolitik auf zivile Instrumente umzustellen. 

Becker stellte Forderungen nach einer gerechten Wirtschaftspolitik vor, die dafür sorgt, dass es Ungleichheiten zwischen Ländern und Kontinenten nicht mehr gibt. Dafür notwendig sei jedoch eine massive finanzielle Umverteilung. So betrugen die Ausgaben der Bundesregierung von 2010 bis 2013 für den Zivilen Friedensdienst (ZFD) 0,04 Milliarden Euro, für die Bundeswehr hingegen 33 Milliarden. „Wir müssen die Entwicklungen wahrnehmen und mutig und mit Fantasie weiterentwickeln“, sagte Becker. Alle Studien der letzten Jahre zeigten, dass militärisch keine politischen Ziele erreichbar sind, sondern zivilgesellschaftliche Alternativen immer erfolgreicher gewesen wären.

Dr. Jean Gottfried Mutombo

© Sebastian Aperdannier

Den „wahren Weg des Friedens“, wie Papst Franziskus ihn in seiner Sozialenzyklika „Fratelli tutti“ benennt, skizzierte Professorin Dr. Marianne Steinbach-Heims, Leiterin des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften in Münster. Die Sozialethikerin ermutigte dazu, nicht in der aktuelle Situation des Krieges stehenzubleiben, sondern weiterzudenken. „Die Empörung darf nicht die einzige Reaktion sein. Auch dieser Krieg wird früher oder später zu Ende gehen. Wie wollen wir das Zusammenleben danach gestalten?“, regte sie zum Nachdenken an. Ein friedliches Miteinander erscheine derzeit zwar utopisch, „aber der wahre Weg zum Frieden kann nur gedacht werden über diesen Umweg der Utopie“. Nur so werde die Möglichkeit alternativen Handelns offengehalten. „Das ist die Kraft der christlichen Botschaft“, betonte Heimbach-Steins. 

Eine Einordnung des Bibelverses „Der wahre Friede ist in Wirklichkeit ein Werk der Gerechtigkeit“ aus dem Buch Jesaja nahm Dr. Jean Gottfried Mutombo in seinem Impuls vor. Der Regionalpfarrer im Amt für Weltmission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung (MÖWe) der Evangelischen Kirche von Westfalen ermutigte dazu, die Geschichten des Krieges zu erzählen, um daraus zu lernen und so Solidarität mit den Opfern von Ungerechtigkeit, Gewalt und Krieg auf der ganzen Welt zu wecken. Die Berücksichtigung der Opfer bei der Suche nach Frieden und Sicherheit sei elementar und berge ein großes Potenzial für Veränderungen. „Um Frieden zu sehen, müssen wir eine Sprache des Friedens sprechen mit Worten, die Vertrauen zwischen den Menschen aufbauen“, verdeutlichte Mutombo.

Ann-Christin Ladermann

Ralf Becker, Projektkoordinator der bundesweiten ökumenischen Initiative der Evangelischen Landeskirche in Baden "Sicherheit neu denken"

Ralf Becker, Projektkoordinator der bundesweiten ökumenischen Initiative der Evangelischen Landeskirche in Baden "Sicherheit neu denken"

© Sebastian Aperdannier